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Kulturzeit - Herbst 2019

100 Jahre Hamburgische Sezession in der Hamburger Kunsthalle

Die Hamburger Kunsthalle beleuchtet das Wirken der Sezession in der Hansestadt

Karl Kluths „Akt auf rotem Sofa“ entstand 1933 – kurz bevor sich die Sezession auflöste. FOTO: ELKE WALFORD / © VERA KLUTH, HAMBURGER KUNSTHALLE/BPK

Barbara Hoppe  

Nur einen Steinwurf vom Hauptbahnhof entfernt erhebt sich auf 13.000 Quadratmetern die Hamburger Kunsthalle, ein aus drei miteinander verbundenen Gebäuden bestehender Komplex. 1869 öffneten sich hier die Türen zum ersten Mal. Grundstock der Sammlung waren Spenden Hamburger Kaufleute, die bereits 1850 in der Handelskammer die erste Gemäldegalerie Hamburgs eröffnet hatten. Mit dem ersten Direktor der Kunsthalle im Jahr 1886, Alfred Lichtwark, begann schließlich der systematische Aufbau der Sammlung. Daneben unterstützte Lichtwark auch Hamburger Künstler. Ein Engagement, das sein Nachfolger Gustav Pauli ab 1914 weiterführte.

Als sich 1919 die Hamburgische Sezession gründete, bestanden von Museumsseite aus also schon solide Verbindungen in die Hamburger Kunstszene. Grund genug für die Kunsthalle, nicht nur den eigenen runden Geburtstag, sondern auch die Geburtsstunde der Hamburgischen Sezession 100 Jahre später zu feiern. Schließlich fanden fast alle der jährlich zwölf Ausstellungen der Künstlervereinigung in der Hamburger Kunsthalle statt. Aber auch durch den Zugang zu Ateliers, Empfehlungen, Kontakte und nicht zuletzt auch durch Käufe unterstützte das Haus die Künstler der Hamburgischen Sezession – bis die Nationalsozialisten der fruchtbaren Kooperation ein Ende bereiteten. Als die Vereinigung 1933 aufgefordert wurde, ihre jüdischen Mitglieder auszuschließen, zog es die Gemeinschaft vor, sich aufzulösen, statt der Aufforderung Folge zu leisten.
Doch was wollten die Mitglieder der Künstlervereinigung genau? In vielen Städten Deutschlands hatten sich Anfang des 20. Jahrhunderts Künstler als Sezession, als Vereinigung, zusammengeschlossen, um sich von traditionsreichen Kulturinstitutionen abzusetzen, deren Kunstrichtung nicht mehr als zeitgemäß empfunden wurde. „In Hamburg läuft der Begriff insofern ins Leere, als es dort keine Kunsthochschule oder etablierte Institution gab“, erklärt Dr. Karin Schick, Kuratorin der aktuellen Ausstellung „100 Jahre Hamburgische Sezession“. In der Hansestadt war es eine offene, spartenübergreifende Vereinigung mit Künstlerinnen und Künstlern aus den Bereichen Malerei, Bildhauerei, Architektur und Literatur. „Als offener Zusammenschluss ließ sie unterschiedliche künstlerische Haltungen zu, und so zeigen sich in den Werken auch Verbindungen zu Realismus und Impressionismus, zu Expressionismus, Neuer Sachlichkeit, Surrealismus und einer freien, gestischen Kunst“, ergänzt die Kuratorin. Die Hamburgische Sezession sei eher eine Plattform gewesen für bildende Kunst und das Zusammenkommen von Gleichgesinnten. „Als Gruppe konnte man eher sichtbar sein und sich Raum schaffen“, so Karin Schick.

Vielfältige Führungen

Vor diesem Hintergrund wundert es also nicht, dass sich die aktuelle Ausstellung mit dem Untertitel „Begegnungen in der Sammlung“ perfekt in den bestehenden Rundgang der klassischen Moderne des Museums einpasst. Neben Künstlern wie Lovis Corinth, Edvard Munch, Robert Delaunay, Albert Marquet, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Dix, Paul Klee oder Max Ernst findet sich die ganze Vielfalt der Hamburgischen Sezession, darunter Künstler wie Alma del Banco, Karl Ballmer, Fritz Flinte, Ivo Hauptmann, Paul Henle, Karl Kluth, Dorothea Maetzel-Johannsen, Rolf Nesch, Anita Rée, Otto Rodewald, Heinrich Steinhagen und Gretchen Wohlwill. Es handelt sich somit um Werke, die aus dem Bestand des Hauses kommen. „Wir wollten zum Jahrestag keine lexikalische Ausstellung machen, sondern lieber die eigene Sammlung aktivieren. Der umfangreiche Bestand der Kunsthalle bot den Künstlerinnen und Künstlern damals reichlich Inspiration, und deren Werke wurden wiederum in unsere Sammlung aufgenommen“, sagt Karin Schick.

Um der Vielfalt Herr zu werden, bietet das Haus Führungen durch die Schau an, aber auch Stadtrundgänge, die sich auf den Spuren der Künstlerinnen und Künstler der Sezession bewegen. Am 100. Jahrestag der ersten Ausstellung – am 14. Dezember 2019 – gibt es ein umfangreiches, spartenübergreifendes Programm: vom Lunch und Dinner mit Führung über öffentliche Führungen bis Bild-Text-Musik-Collagen ist für jeden etwas dabei.

Und wer sind die Lieblingskünstler von Karin Schick? „Wegen der Retrospektive zu Anita Rée im Jahr 2017 fühle ich mich natürlich mit dieser Künstlerin verbunden. Besonders interessieren mich aber die Figuren, die schon in ihrer Zeit als Sonderlinge galten und unserem Gedächtnis fast entglitten sind, zum Beispiel Fritz Flinte oder Otto Rodewald – da gibt es noch so viel zu entdecken!“
           

Termine

Hamburger Kunsthalle
Glockengießerwall 5
20095 Hamburg
Tel.: 040/ 428 13 12 00
www.hamburger-kunsthalle.de

100 Jahre Hamburgische Sezession
Begegnungen in der Sammlung
Bis 5. Januar 2020
Di.-So., 10 bis 18 Uhr, Do., 10 bis 21 Uhr
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