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Themenwelten Berliner Morgenpost
Kulturzeit - Herbst 2019

Staatsschauspiel Dresden beim Theatertreffen Berlin mit Tschechows „Der Kirschgarten“

Das Staatsschauspiel Dresden wurde 2019 mit gleich zwei Inszenierungen zum Theatertreffen Berlin eingeladen

Andreas Kriegenburg inszeniert den Tschechow-Klassiker „Der Kirschgarten“. FOTOS: SEBASTIAN HOPPE (3)

Barbara Hoppe  

„Das ist natürlich eine außergewöhnliche Auszeichnung. Wir haben das aber auch als eine Würdigung für unsere Bereitschaft verstanden, Neues, Herausforderndes und Schwieriges in Angriff zu nehmen“, freut sich Intendant Joachim Klement im Rückblick. Die in Berlin gezeigten, eigensinnigen Inszenierungen - „Erniedrigte und Beleidigte“ von Dostojewski unter der Regie von Sebastian Hartmann und „Das große Heft“ von Ágota Kristóf unter der Regie von Ulrich Rasche – hätten, so Klement, eine ganz besonders ästhetische Form für den literarischen Stoff gefunden.

Immer wieder das Besondere und das Neue zu suchen, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des Hauses. 1913 mit Spenden und Mitteln der theaterbegeisterten Dresdner Bevölkerung als „bürgerliches Hoftheater“ gegründet, hat es sich immer als zeitgenössisches Theater verstanden. Von Beginn an war es zudem mit modernster Bühnentechnik ausgestattet. Denn der Standort in der Innenstadt, direkt neben dem Zwinger, bot kaum Platz. Und so erhielt der schmale Bau ohne Seiten- und Hinterbühnen einen für seine Zeit spektakulären Bühnenboden mit einem hydraulischen Hebesystem. Eine Technik, die bei den schweren Bombenangriffen 1945 durch den mutigen Einsatz des Bühnentechnikers gerettet werden konnte und heute, modernisiert, immer noch hervorragend funktioniert.
Auch das Programm veränderte sich immer wieder. „Ein Theater ist kein Museum und steht im Spannungsverhältnis und in der Auseinandersetzung mit seiner Umwelt und den politischen Gegebenheiten“, erläutert Gertrud Aringer, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. „Die Bühne und das Geschehen auf ihr standen und stehen stets im Mittelpunkt. Progressiv, wenn nötig auch provokativ oder polarisierend - dies galt schon zur Eröffnung des Hauses als Anspruch für das Programm.“ Heute finden sich klassische ebenso wie moderne Stücke auf dem Spielplan. „Wir zeigen unserem Publikum die Bandbreite dessen, was lebendiges zeitgenössisches Theater heute sein kann. Also: beides“, betont Gertrud Aringer. In den vergangenen drei Spielzeiten unter Joachim Klement waren bzw. sind unter den 75 Premieren 32 Uraufführungen und zwei deutschsprachige Erstaufführungen. Auch die diesjährige Saison startet mit einer Uraufführung: „ Mit der Faust in die Welt schlagen“ nach dem Roman von Lukas Rietzschel sowie mit der Bürger: Bühnen-Produktion der „Schuldenmädchen-Report“ und „Der Kirschgarten“ von Anton Tschechow. Ein Konzept, das offenbar auch bei den Besuchern gut ankommt. Die Zahlen steigen kontinuierlich, die Auslastung des Hauses beträgt 72 Prozent. Vor fünf Jahren zeigte eine Besucherbefragung zudem, dass die Altersgruppen erfreulich ausgeglichen sind, bei der Bürgerbühne ist sogar ein Drittel der Zuschauer jünger als 30 Jahre.
        
Regisseur Tobias Rausch thematisiert in „Lehr_Kraft_Probe“ Herausforderungen des heutigen Schulalltags.
Regisseur Tobias Rausch thematisiert in „Lehr_Kraft_Probe“ Herausforderungen des heutigen Schulalltags.
Aber auch jenseits der Theaterbühne ist das Staatsschauspiel Dresden aktiv. Es ist Mitglied von „WOD – Initiative weltoffenes Dresden“, einem losen Zusammenschluss Dresdner Kulturinstitutionen, die rund um dem 13. Februar, den Jahrestagen der Bombardierung Dresdens 1945, gemeinsam mit künstlerischen Programmen in Erscheinung treten. Zudem gehört es zu den Erstunterzeichnern der „Dresdner Erklärung der Vielen“. „Als ein starker Akteur der Stadtgesellschaft beteiligen wir uns an diversen Veranstaltungen wie etwa „Dresden isst bunt. Gastmahl für alle“, das einen Begegnungsraum für alle Bürger inmitten der Stadt schafft.“, erläutert Gertrud Aringer. Zusätzlich in diesem Jahr veranstaltet das Haus im Oktober in der Themenwoche „30 Jahre friedliche Revolution“ gemeinsam mit der Semperoper eine Ausstellung, ein Symposium, Gastspiele und Lesungen.
    
Regisseurin und Performerin Vanessa Stern bringt den „Schuldenmädchen-Report“ auf die Bühne.
Regisseurin und Performerin Vanessa Stern bringt den „Schuldenmädchen-Report“ auf die Bühne.
Auch die Zukunftspläne des Staatsschauspiels Dresden zeigen das Streben nach Neuem und die Vermeidung von Stillstand. „Diversität und Inklusion sind die Themen, die uns stark beschäftigen und die Weiterentwicklung eines Modellprojektes. Mit ‚Theater in der Schule‘ begleiten wir beispielhaft zwei Oberschulen auf dem Weg zur Kulturschule. Wir wollen zeigen, dass schulische und kulturelle Bildung sehr gut zusammengehen, und arbeiten an einem ganzheitlichen Bildungskonzept. Die ersten Ergebnisse sind sehr, sehr ermutigend“, meint Intendant Joachim Klement.
     

Kontakt

Staatsschauspiel Dresden
Theaterstraße 2
01067 Dresden
Tel.: 0351/491 35 55
www.staatsschauspiel-dresden.de
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