Anzeige
Themenwelten Berliner Morgenpost
Kulturzeit - Herbst 2019

Pablo Picasso und Thomas Scheibitz im Steglitzer Museum Berggruen

Werke von Pablo Picasso und Thomas Scheibitz treten im Museum Berggruen in den künstlerischen Dialog

Pablo Picassos „Frau mit Tamburin“ aus dem Jahr 1939 inspirierte Thomas Scheibitz zur „Allegorischen Figur mit Gegenstand“ (2019). FOTOS: JENS ZIEHE/SUCCESSION PICASSO, THOMAS SCHEIBITZ / VG BILD-KUNST, BONN, 2019

Barbara Hoppe  

Udo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin, bringt es in der Begrüßung auf den Punkt: Es brauche Mut und Überzeugung, mit einem der Säulenheiligen des 20. Jahrhunderts in den Dialog zu treten. Das könne nur ein Künstler, der sich traue und gleichzeitig auch mit dem Gedanken anfreunden könne, das Ganze als Experiment zu sehen.

Die Rede ist von Thomas Scheibitz. Und der Säulenheilige ist Pablo Picasso. Das Museum Berggruen, mit seinem umfangreichen Bestand an Picasso-Bildern als Ausgangspunkt, schlägt in seiner aktuellen Ausstellung „Pablo Picasso x Thomas Scheibitz. Zeichen Bühne Lexikon“ den Bogen von der klassischen Moderne zur Kunst der Gegenwart und lässt zwei Künstler mit einer ähnlichen künstlerischen Haltung aufeinandertreffen.
Scheibitz, 1968 in Radebeul bei Dresden geboren und seit über 20 Jahren in Berlin lebend, gehört zu den wichtigsten Vertretern einer neuen, innovativen Malerei in Deutschland. International bekannt geworden ist er mit Werken in grellen, leuchtenden Farben, die sehr zeichenhaft angelegt sind und die sich, so der Künstler, „motivisch an den Grenzen der Lesbarkeit befinden“. Schon seit Jahren beschäftigt ihn der Kubismus, zu dessen Begründern Picasso gehört und der für Scheibitz von allen großen Ismen des 20. Jahrhunderts der radikalste und prägendste geblieben sei. „Und die Frage“, die sich für den Künstler stellt, ist, „was darauf folgt. In unserer Alltagssprache gehen wir ja zurück zu einer sehr bildlastigen Welt. Da kommt eine Flut auf uns zu, mit der wir irgendwie umgehen müssen. Dabei ist das kubistische Prinzip oder die Multiperspektive, wie es bei mir heißt, eine ganz interessante Angelegenheit für eine Neubetrachtung.“
         
Pablo Picasso und Thomas Scheibitz im Steglitzer Museum Berggruen Image 1
So sieht Joachim Jäger, Kurator der Ausstellung, den Kubismus auch als zentrales Bindeglied zwischen den Künstlern. Der Kubismus, also das Aufbrechen eines geschlossenen Bildes, die Idee der Montage und Fragmente, habe bis heute eine große gestalterische Gültigkeit, erläutert der Kurator. Vieles in der Malerei von Thomas Scheibitz sei mit der kubistischen Zerlegung in Verbindung zu bringen. Doch während der Kubismus versuche, das Bild, das wir auf einer zweidimensionalen Fläche haben, aufzusplittern und wie der zusammenzubauen, sei die Multiperspektive eine gedankliche und formale Angelegenheit, zum Beispiel vom Bildbau oder von der Herangehensweise, die er in der Komposition oder im Detail lesbar mache, erläutert Thomas Scheibitz.

Ähnlich sind sich beide Künstler auch bei der Vermeidung jedweder Fixierung und dem Offenhalten in der Betrachtung. Um dorthin zurückzufinden, sei der erste Schritt bei der Konzeption der Ausstellung gewesen, Picasso aus den sehr festen Kontexten seiner Biografie, der Kunstgeschichte und der Geschichte des 20. Jahrhunderts herauszulösen und die Werke wieder freier und unabhängiger zu sehen, um das Feld zu öffnen und sowohl in den Werken von Picasso als auch in denen von Scheibitz Kontinuitäten, Fortsetzungen, Erweiterungen und Affinitäten nachzugehen, erklärt Joachim Jäger. 18 Monate dauerte die intensive Vorbereitungszeit, in der Museum und Künstler in engem Austausch standen. Dabei habe sich auch für ihn, so der Kurator, so manches Picasso-Bild neu erschlossen. Auch Thomas Scheibitz fand in der Zusammenarbeit eine große Inspirationsquelle. „Vor einundeinhalb Jahren hielt ich zum ersten Mal den Sammlungskatalog des Museums in den Händen und habe sofort bei drei oder vier Arbeiten gesehen, dass da was einrastet von dem, was ich mir dazu vorstellen kann, von Arbeiten, die es schon gab – Bilder genauso wie Skulpturen.“ Durch die intensive Arbeit an der Ausstellung und die Beschäftigung mit dem Kubismus seien ihm dann noch einige Schritte eingefallen, die man präzisieren beziehungsweise nach vorne bringen könne, sodass der Künstler noch zehn bis zwölf ganz neue Werke schuf. „Meine eigene Welt hat sich in den einundeinhalb Jahren noch einmal geöffnet, obwohl der Picasso-Bestand in meiner Bibliothek den meisten Raum einnimmt. Aber wenn man sich noch einmal explizit damit beschäftigt, geht immer wieder eine neue Welt auf. Und das ist eine große Leistung, wenn ein Werk noch 100 Jahre später eine neue Welt aufmacht.“ Was wünscht sich Thomas Scheibitz für den Besucher? Ein bisschen nachdenklich meint er: „Ich glaube, wenn man hier rausgeht und ein paar Bilder gesehen hat, betrachtet man schon einige Dinge in der Welt anders als vorher.“
           

Termine

Museum Berggruen
Schloßstraße 1
Steglitz
Tel.: 030/266 42 42 42
www.smb.museum/museen-undeinrichtungen/museum-berggruen/home.html

Pablo Picasso x Thomas Scheibitz. Zeichen Bühne Lexikon
14. September bis 2. Februar
Di.-Fr., 10-18 Uhr, Sbd.-So., 11-18 Uhr
Weitere Artikel