Anzeige
Themenwelten Berliner Morgenpost
Extra top Lagen im Süden

Neues Quartier am Naturschutzgebiet

In Lichterfelde Süd sollen 2080 Wohnungen für Singles, Paare, Senioren, Familien und Studenten entstehen

Die Groth-Gruppe erweitert die Thermometersiedlung um ein neues Stadtquartier. GROTH GRUPPE

Eigentlich denkt man bei Lichterfelde an stattliche Häuser, viel Grün und gut situierte Anwohner. Doch der Ortsteil hat zwei Gesichter. Lichterfelde West wurde ab 1865 als Villenkolonie für finanzkräftige Bürger, Offiziere, mittlere und höhere Beamte entwickelt. Das hat sich bis heute erhalten. Lichterfelde Süd dagegen – zwischen Osdorfer Straße und der Bahnlinie nach Halle – entstand erst später. Zwischen 1968 und 1974 wurde dort die Thermometersiedlung gebaut, ein Viertel das sich in seiner Bevölkerungsstruktur komplett vom restlichen Lichterfelde unterscheidet: Der Ausländeranteil liegt bei mehr als 60 Prozent, der Anteil der Langzeitarbeitslosen ist hoch, ebenso die Kinderarmut.

Blühendes Biotop

In direkter Nachbarschaft entwickelt nun die Groth-Gruppe auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz der US-Army ein neues Stadtquartier mit etwa 2500 Wohneinheiten. Seit Jahren wird darüber verhandelt, weil aus dem Truppenübungsplatz, auf dem mehr als 40 Jahre lang der Häuserkampf trainiert wurde, inzwischen ein blühendes Biotop geworden ist. Denn seit dem Abzug der amerikanischen Truppen vor gut 20 Jahren liegt das Areal brach. Kritik und Widerstand gegen die Bebauung kam daher vor allem aus den Reihen von Naturschützern.

Zurzeit läuft die Beteiligung der öffentlichen Träger. Ende des Jahres sei die öffentliche Auslegung geplant, meint Sprecherin Anette Mischler. Sie hofft im kommenden Jahr auf die Baugenehmigung. Es sei das größte Projekt, das der Bezirk seit Jahren stemme, sagt Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski. Dem Naturschutz zuliebe sollen von den etwa 96 Hektar nur 39 Hektar beplant und davon nur 25 Hektar bebaut werden. Zudem bemühen sich Investor und der Betreiber der Thermometersiedlung, die Deutsche Wohnen, um eine konstruktive Atmosphäre.

Bau einer Kleinstadt

Gebaut wird quasi eine Kleinstadt für mehr als 5000 Einwohner. Herzstück soll der Stadtplatz werden, an dem sich Einzelhandel, Ärzte aber auch Stadtteiltreffpunkte befinden. Wer über den neuen Zugang vom S-Bahnhof Lichterfelde Süd ins neue Viertel kommt, soll automatisch über diesen Platz geleitet werden, so dass dort immer Leben herrscht.

Das neue Stadtquartier soll für jeden etwas bieten: Studenten, Singles, Paare, Senioren und Familien. Insgesamt 2080 Geschosswohnungen sollen entstehen, neben 500 geförderten Wohnungen auch freifinanzierte und Eigentumswohnungen, aber auch 420 Reihen- und Doppelhäuser. Der städtische Charakter der Thermometersiedlung soll im Bereich des Stadtplatzes aufgegriffen werden. Je weiter es in Richtung Naturschutzgebiet geht, desto niedriger soll die Bebauung werden. Ergänzt werden soll das Viertel mit Schulen, Kitas, Sport- und Spielplätzen und Grünanlagen. Wenn alle Beteiligungsverfahren abgeschlossen und der Bauantrag eingereicht ist, könnten die Bauarbeiten im vierten Quartal 2019 beginnen, hofft Anette Mischler. Zwischen 2022 und 2024 sollen die fünf Bauabschnitte dann fertiggestellt werden.

Weitere Artikel