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Extra: Ausbildung & Studium 2020

Orientierungsstudium MINTgrün an der Technischen Universität Berlin

Bundesweit gibt es mehr als 9000 Bachelorstudiengänge. Immer mehr Hochschulen bieten den Studierenden deshalb Orientierungssemester für die Suche nach dem passenden Fach an

FOTO:PERNSANITFOTOVECTORIOS2016 / ISTOCK

Christine Persitzky 

Sie wechseln den Studiengang, sie brechen ihr Studium vielleicht ganz ab und sie treffen diese Entscheidungen häufig sehr spät. Christian Schröder, Leiter des Orientierungsstudiums MINTgrün an der Technischen Universität Berlin (TU), nennt sie die „unsicheren Studienanfänger“. Aber auch sie sollen am Ende einen passenden Studiengang finden. Deshalb „begleitet und unterstützt die Universität die Studierenden strukturiert“ in der Entscheidungsfindung für oder gegen ein Studium, für oder gegen ein Fach. „So wollen wir vermeiden, dass sich dieser Prozess unnötig in die Länge zieht.“

2012 eingerichtet, ist MINTgrün mit jährlich rund 600 Studierenden das bundesweit mit Abstand größte derartige Orientierungsangebot. Eine Zulassungsbeschränkung gibt es nicht. Aber Schröder empfiehlt das Angebot nur denen, die noch nicht wissen, was sie wollen.
Sie lernen bei MINTgrün zahlreiche Studienfächer kennen, die meisten aus den Bereichen Mathematik/ Informatik/Naturwissenschaften/Technik, darunter auch sehr unbekannte. Neben 15 bis 20 eigens für die MINTgrün-Studierenden entwickelten Module und sogenannte Labore stehen etwa 50 Grundlagenmodule der gesamten TU offen.

Kurse anrechnen lassen

Erworbene Leistungspunkte können in einem späteren Fachstudium angerechnet werden. Als Nebenhörer kann man darüber hinaus auch Lehrveranstaltungen der anderen Berliner Hochschulen besuchen.

Das Angebot wird sehr unterschiedlich genutzt, weiß Christian Schröder: „Einige wechseln alle paar Wochen die Veranstaltungen, springen durch alle Disziplinen, weil es ihnen darum geht, herauszufinden, wie der Lehrstil, die Ausstattung, das Umgehen miteinander ist.“ Von denen hört Schröder häufig: „Ich habe mir so viel angeschaut – ich weiß jetzt, was ich will!“ Auf der anderen Seite gebe es auch in jedem Jahrgang welche, „die richtig ranklotzen“ und bereits viele Leistungsnachweise schaffen.

Auch die Freie Universität Berlin (FU) bietet ein Einführungs- und Orientierungsstudium an. Im kommenden Wintersemester stehen 190 Plätze zur Verfügung, die in erster Linie nach den Abiturnoten vergeben werden. Im Rahmen von EinS@FU können Studienanfänger ein Jahr lang mehr als 40 Studiengänge in den Naturwis-Durchblick im Hochschul-Dschungel Bundesweit gibt es mehr als 9000 Bachelorstudiengänge. Immer mehr Hochschulen bieten den Studierenden deshalb Orientierungssemester für die Suche nach dem passenden Fach an senschaften, Geschichts- und Kulturwissenschaften sowie in Philosophie und den Geisteswissenschaften ausprobieren.

Helena Beyme hat die beiden Orientierungssemester gerade hinter sich. Sie hatte mit 17 Abitur gemacht – zu jung, um unproblematisch ins Ausland zu gehen. Gut fand sie an Eins@FU, dass man in Ruhe die Abläufe an der Uni kennenlernt, auch schon Klausuren schreiben kann, aber „nicht sofort perfekt funktionieren muss“, wie die heute 18-Jährige erzählt. „Außerdem habe ich das als Bildungschance gesehen und auch so genutzt“, sagt Beyme weiter. Sie besuchte zahlreiche Lehrveranstaltungen, vor allem in den Sprachwissenschaften, lernte Arabisch und möchte im Herbst ein Sprachstudium beginnen. Eins@FU habe ihr die richtige Richtung gezeigt.

Die Universität Potsdam (UP) startet im Herbst den achtsemestrigen Bachelorstudiengang „Philologische Studien“, in dem die ersten beiden Semester die Orientierungsphase „UP°grade“ beinhalten. „Wir wollen Studieninteressierten die Möglichkeit geben, ein sprachbezogenes Studium aufzunehmen, auch wenn sie bisher nur wenige oder gar keine Kenntnisse in der jeweiligen Sprache haben“, erklärt die Koordinatorin Cornelia Maul die Grundidee. Russisch, Polnisch, Französisch, Italienisch, Spanisch oder Latein lernen ist aber nur eine Option. Darüber hinaus können die Studierenden in die vielen verschiedenen Studienfächer an der Philosophischen Fakultät hineinschnuppern und „die ganze Bandbreite kennenlernen.“ Ein weiteres Ziel von UP°grade: Die Studierenden können in einem Modul herausfinden, ob sie Spaß am Unterrichten haben und ein lehramtsbezogenes Studium aufnehmen wollen.

Schnupperkurse

Orientierungsangebote: TU, FU und UP starten mit ihren Angeboten jeweils zum Wintersemester. Die Studierenden sind ganz regulär eingeschrieben und genießen den vollen Status als Studierende. Eine Anrechnung der Orientierungssemester als Wartezeit ist allerdings nicht möglich.

www.mintgruen.tu-berlin.de
www.fu-berlin.de/sites/eins
www.uni-potsdam.de/de/philfak-orientierungsstudium

BAföG: Die beiden Semester zählen als Studiensemester. Auch der Wechsel in ein anderes Studienfach nach der Orientierungsphase ist BAföG-relevant, wirkt sich in aller Regel nicht auf die Förderung aus.

Weitere Angebote: Viele Hochschulen der Region bieten zudem Studientage, Schnupperwochen und andere Orientierungsveranstaltungen schon für Oberstufenschüler an.
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