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Themenwelten Berliner Morgenpost
Pyronale 2019

Feuerwerker arbeiten bei der Pyronale Berlin mit digitaler Technik

Bei der Pyronale kommt digitale Feuerwerkstechnik zum Einsatz

Manche Teams arbeiten mit mehr als 40 Abschusspositionen. FOTOS: DAVIDS/SVEN DARMER; JAN SCHUGARDT

MARTIN DAßINNIES  

Jedes Jahr aufs Neue blicken Zehntausende Augenpaare begeistert in den Berliner Nachthimmel. Wenn sich gigantische Feuerwerks-Choreografien über dem Berliner Maifeld zeigen, dann kann dies nur die Pyronale sein.

Die „Weltmeisterschaft der Feuerwerker“ ist eine der größten Veranstaltungen ihrer Art. Hier treffen sich Jahr für Jahr sechs internationale Teams, die mit ihren Pyrokreationen um die Gunst der Jury und des Publikums kämpfen. Das Himmelsschauspiel verzaubert aber nicht nur das Publikum. Für die Feuerwerker ist es immer wieder aufs Neue eine sprichwörtliche Feuerprobe. Und die beginnt mit den pyrotechnischen Effekten. „Man kann davon ausgehen, dass die Feuerwerker pro Feuerwerk ca. 1000 Kilogramm Material verwenden“, erklärt Markus Katterle von Flash Art. Katterle und seine Mitarbeiter sind dafür verantwortlich, dass jedes Team von einem lizenzierten Pyrotechniker begleitet wird. Sie stellen Anträge, entwickeln mit der technischen Leitung und den Behörden die Sicherheitskonzepte der Pyronale und achten darauf, dass die gesetzlichen Bestimmungen sowie die Wettbewerbsregeln des Events eingehalten werden.

Das heißt auch: Flash Art unterstützt die Teilnehmer mit Equipment, Material, Helfern, Logistik, Importabwicklung oder der Begleitung für die Gefahrgutfahrzeuge. „Wir überprüfen aber auch die von den Teams angemeldeten Materialien auf Konformität mit den entsprechenden EU-Regularien und helfen bei der Suche nach Alternativen, falls Teams mit lokalen Effekten arbeiten möchten, die hier nicht zugelassen sind“, so Katterle weiter.
           
Dramaturgie der Explosion Image 1
Akribisch und präzise

Gerade bei den pyrotechnischen Effekten hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel getan. Zum Beispiel hat die digitale Zündtechnik die Abschusspositionen der Feuerwerke vervielfacht und dabei ganz neue grafische Möglichkeiten geschaffen. So können Feuerwerke wie bei der Pyronale mehr als 40 Abschusspositionen haben. Die Teams koordinieren dabei Tausende von Zündungen, die genau auf die Musik abgestimmt sind. Showdesigner stellen die richtigen optischen und akustischen Effekte zur Musik zusammen. Sie steuern die Dynamik, legen die Zündfrequenzen fest, genauso wie die Winkel und Positionen der einzelnen Effekte. Teilweise lassen sich die Teams spezielle Effekte oder Farbkombinationen herstellen. „Durch die Digitalisierung wird heute fast alles über automatisierte Anlagen gezündet“, bestätigt Georg Alef, selbst Showdesigner und lange Zeit Jurymitglied der Pyronale. Dabei sind Zündungen auf die Hundertstelsekunde möglich. „Das ist schon eine eigene Kunstform“, erklärt Alef augenzwinkernd. „Denn mit der Technisierung ist zwar immer mehr möglich, aber eben nicht immer alles sinnvoll.“
          
Die Zündungen können dank digitaler Technik auf die Hundertstelsekunde geplant werden. FOTOS: DAVIDS/SVEN DARMER; BRUNO GASPERINI
Die Zündungen können dank digitaler Technik auf die Hundertstelsekunde geplant werden. FOTOS: DAVIDS/SVEN DARMER; BRUNO GASPERINI
Nicht nur in Sachen Optik gibt es Neuentwicklungen: In der Vergangenheit bemängelten Städte, Behörden und Umweltaktivisten immer wieder die starke Feinstaubbelastung von Silvesterfeuerwerken und Events wie der Pyronale. „Dabei wurde in den letzten Jahren sehr viel an der Rauch- und Feinstaubentwicklung des Feuerwerksmaterials gearbeitet“, so Katterle. Es gibt im sogenannten Approximate-Bereich – also auf Bühnen und in Stadien – schon Feuerwerkskörper, die ohne Holzkohle auskommen. Dabei sind die Effekte kontinuierlich besser geworden. Sie entwickeln weniger Rauch und besitzen leuchtendere Farben, auch wenn die Vielfalt durch die inzwischen sehr strengen Regularien in der EU eher eingeschränkt wurde.

Die Umwelt im Blick

Die Stadt Zürich hat im Zusammenhang mit dem Zürifescht – dem größten Feuerwerk in der Schweiz – umfangreiche Untersuchungen angestellt. Das Ergebnis: Das Feuerwerk ist nur für 0,2 Prozent des ökologischen Footprints der Gesamtveranstaltung verantwortlich. An- und Abreiseverkehr trugen dagegen über 42 Prozent und das Catering der Besucher über 40 Prozent bei. „Natürlich ist Feuerwerk umweltschädlich“, so Katterle, aber ein Bundesligaspiel ist mit Sicherheit sehr viel umweltschädlicher als die Pyronale.“
            
Dramaturgie der Explosion Image 2
Viele der pyrotechnischen Effekte kommen aus China, aber auch zu immer größeren Teilen aus Deutschland, Italien und Spanien. Egal aus welchem Land die Feuerwerkskörper stammen, sie alle unterliegen einer CE-Zertifizierung. Das bedeutet, dass in einem Musterverfahren die Effekte, die enthaltenen Chemikalien, die Transport- und Lagersicherheit oder die Zuverlässigkeit bei der Verwendung überprüft werden. Diese Überprüfung unterliegt sogenannten Notified Bodies, das sind bei der EU registrierte und von ihr genehmigte Institute oder Labore wie z. B. in Deutschland das Bundesamt für Materialforschung und -prüfung (BAM) mit Sitz in Berlin.

Sicherheit, Organisation oder politische und gesellschaftliche Debatten: Die Durchführung von Megafeuerwerken wie der Pyronale ist Jahr für Jahr an viele Rahmenbedingungen geknüpft. Eine aber ist und bleibt die größte Herausforderung für einen Feuerwerker, das weiß auch Markus Katterle: „Für uns ist starker Wind immer das größte Problem, da wir ab einer bestimmten Windstärke nicht mehr schießen dürfen.“
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