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Themenwelten Berliner Morgenpost
Pyronale 2019

Festivalmacher der Pyronale Berlin im Gespräch über das Feuerwerk

Die Festivalmacher Mario Hempel und Gerhard Kämpfe im Gespräch über die familiäre Atmosphäre der Pyronale, die „Best of Six“ und die Waldbrandgefahr

Gerhard Kämpfe (l.) und Mario Hempel vor dem Maifeld. FOTO: MAURIZIO GAMBARINI

RONALD KLEIN  

Berliner Morgenpost: Herr Hempel, im vergangenen Jahr musste die Pyronale erstmalig wegen Waldbrandgefahr verschoben werden. Besteht die Gefahr in diesem Jahr auch?

Mario Hempel: Im letzten Jahr war der Sommer außergewöhnlich trocken. Dieses Jahr haben wir glücklicherweise eine ganze Menge mehr Regen. Wir sind auch mit den Behörden im Gespräch, wie wir durch eine zusätzliche Bewässerung sicherstellen, dass der Termin in jedem Fall gehalten wird.

BM: Herr Kämpfe, derzeit ist die Feinstaubbelastung eines der zentralen Themen in den Medien. Was passiert, wenn Feuerwerk in die Luft geschossen wird?

Gerhard Kämpfe: Das ist ein wichtiger Aspekt, mit dem wir uns ausführlich auseinandergesetzt haben. Das gesamte Feuerwerk in Deutschland ist für 0.0024 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. Davon macht professionelles Großfeuerwerk wiederum nur ca. 8 bis 9 Prozent aus. Wir haben von Fachleuten ausrechnen lassen, wie es bei einem Großfeuerwerk aussieht. Bildhaft gesprochen lässt sich das Design eines Teams mit dem Verbrauch von 30 bis 40 Säcken Holzkohle beim Grill vergleichen. Da beim Feuerwerk aber viel größere Temperaturen erreicht werden, ist die Feinstaubbelastung tatsächlich geringer als beim Grillen. Die Bundesanstalt für Materialprüfung hat in den vergangenen Jahren bei der Pyronale das durch Messungen bestätigt und wies darauf hin, dass die Besucher, die mit dem Auto anreisen, eine vielfach höhere Feinstaubbelastung erzeugen.

Hempel: Das hindert natürlich manche Abgeordnete im Bundestag nicht, uns trotzdem zu thematisieren. Offensichtlich ohne Kenntnis dieser Zahlen. Die Diskussion stieß ausgerechnet ein AfD-Politiker an. Seine Partei sticht nun wirklich nicht durch eine progressive Klimapolitik hervor.

BM: Wie in jedem Jahr treten am letzten Augustwochenende sechs Teams gegeneinander an. Hebt sich die diesjährige Ausgabe dennoch von der regulären Pyronale ab?

Hempel: Das Besondere an diesem Konzept ist, dass die Gewinner der letzten sechs Jahre dabei sind. Alle sieben Jahre veranstalten wir das „Best of Six“. Das heißt, wir laden dann die Gewinner der letzten sechs Jahre ein und die treten dann noch mal gegeneinander an. Das ist höchst spannend, weil sie in der Regel auch Tagessieger waren, die das Publikum ausgewählt hat.

Kämpfe: Wir haben mit den Niederlanden, Norwegen, Rumänien, Mexiko tatsächlich die Sieger der vergangenen Jahre. Problematisch gestaltete es sich mit dem Team von den Philippinen, das 2013 mit einem exzellenten Design aufwartete. Die Mitglieder schrieben uns, dass in ihrer Heimat aufgrund politischer Veränderungen Feuerwerke komplett verboten werden sollen. Sie können leider nicht nach Europa kommen, da sie ihre Existenz retten müssen. Ein italienisches Team war indisponiert. Deswegen mussten wir zwei Mannschaften sozusagen austauschen. Dafür springen Surex aus Polen ein, die vor acht Jahren die Pyronale und vor sieben Jahren das „Best of Six“ gewannen. Ein slowenisches Team startet mit einer Wildcard.

BM: Sie haben bereits mit den Planungen für 2020 begonnen. Wie viele Teams haben Sie im Fokus?

Hempel: In der Vorauswahl sind es bis zu 70 Teams, wovon es 20 bis 30 in die engere Auswahl schaffen. Neben ästhetischen Aspekten ist uns auch eine interessante internationale Mischung wichtig. Wir finden es notwendig, osteuropäische Mannschaften zu unterstützen, weil diese erst seit 30 Jahren die Möglichkeit haben, ihre Kunst auszuüben. Traditionsfirmen blicken zum Teil auf eine 200- jährige Geschichte zurück.

BM: Gibt es bestimmte Pyrotrends, die sich bei der Sichtung herauskristallisieren?

Kämpfe: Weniger in der Farbe und der Musik. Innovationen gibt es bei den Zündtechniken bis hin zum 3D-Design. Viele Fachleute besuchen die Pyronale, um sich aktuelle Entwicklungen anzuschauen. Das freut uns natürlich.

BM: Gibt es einen Austausch unter den Teams oder überwiegt der Wettbewerbsgedanke?

Kämpfe: Traditionell gibt es am Mittwoch vor der Pyronale ein Teamessen. Zwar möchte jeder gewinnen, was uns aber jedes Mal freut, ist, dass sich die Teams auch gegenseitig aushelfen, wenn es irgendwo klemmt.

Hempel: Den Teams kommt auch zugute, dass sie das Design der anderen sehen und reflektieren können. Es gibt viele renommierte Festivals, die zum Teil über Wochen gehen. An einem Wochenende schießt Team A und reist danach wieder ab. Das Wochenende darauf ist Team B dran. Das macht den Austausch unmöglich.

BM: Sie arbeiten mit einer Fach- und einer Kreativjury. Wie funktioniert deren Wertung?

Hempel: Für die Jurys gibt es ein komplexes Kriterienraster, das wir im Vorfeld genau erklären. Um wirklich Qualität zu bewerten, reicht es nicht, anzukreuzen, ob das Design einem mehr oder weniger gefällt. Die Höchstnote in den einzelnen Kriterien ist die Acht.

BM: Nicht nur bei den Teams, sondern auch bei den Jurymitgliedern gibt es viele „Wiederholungstäter“. Ist in diesem Zusammenhang auch der Ort von Bedeutung?

Hempel: Das Familiäre ist uns in der Tat sehr wichtig. Die Heimat der Pyronale-Familie ist das Maifeld am Olympiastadion. Der Vertrag läuft erst einmal jetzt bis nächstes Jahr. Wir haben viele Angebote aus anderen Städten, aber wir finden, dass die Pyronale in Berlin bleiben sollte.
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