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Themenwelten Berliner Morgenpost
Pyronale 2019

Pyrotechniker bereiten Feuerwerk für die Pyronale in Berlin vor

Zwei Tage vor Beginn der großen Feuerwerksshow gehen die Vorbereitungen in die entscheidende Phase. Max Müller beschreibt, wie Tausende Feuerwerkskörper und pyrotechnische Effekte aufgestellt, ausgerichtet und verdrahtet werden

Das Maifeld füllt sich im Laufes des Mittwochs sehr schnell.

Mittwoch, 8 Uhr
Arbeiten im Akkord Image 1
Am Morgen erreichen die ersten Teams das Maifeld. 72 Stunden bleiben den sechs Gruppen, um Tausende Feuerwerkskörper aufzustellen, auszurichten und zu verkabeln. Die drei Mannschaften des Eröffnungsabends legen mit ihren Vorbereitungen bereits am Mittwoch los, die anderen drei, die am Sonnabend ihre Choreografien präsentieren, starten einen Tag später in die heiße Phase. Das Material der meisten Teilnehmer wird am Mittwoch geliefert. Nur wenige Teams setzen komplett auf ihr eigenes Equipment. Viele Teams schicken im Vorfeld ihre Pyrotechnik zu der ausführenden Firma Flash Art und lassen sie dann anliefern. Auch die Abschussvorrichtungen für das Spektakel mieten die Teams teilweise bei Flash Art. Sobald das Material durch Sattelschlepper zum Maifeld gebracht worden ist, können die Feuerwerksprofis mit ihren akribischen Vorbereitungen loslegen.
           

Mittwoch, 11 Uhr
Die Teams nutzen bis zu 40 Abschusspositionen.
Die Teams nutzen bis zu 40 Abschusspositionen.
Arbeiten im Akkord Image 2
Jedes Team hat einen eigenen Arbeitsbereich mit einem mobilen Container, der als temporäres Lager dient. Zunächst werden die Positionen auf der sogenannten Shooting Range eingemessen. Dann geht es an den eigentlichen Aufbau, der mit dem Höhenfeuerwerk startet. Dieses enthält die größte Sprengstoffmenge. Sollte es beim Aufbau zu einer Fehlzündung kommen, wird hierdurch eine Kettenreaktion mit den anderen Effekten vermieden. Für das Höhenfeuerwerk müssen Abschussvorrichtungen mit einem Durchmesser von 60 bis 150 Millimeter aufgestellt und ausrichtet werden. In jedem Abschussrohr wird anschließend eine Bombe versenkt. Sobald Position und Winkel stimmen, wird das Feuerwerk mittels einer dünnen Kunststoff- oder Aluminiumfolie und einer dicken Plane vor Regen geschützt. Pro Team dürfen maximal zehn Pyrotechniker auf der „Shooting Range“ arbeiten. Dieses Limit hat der Veranstalter aus Sicherheitsgründen festgelegt, nur so lässt sich das Geschehen auf dem Maifeld überblicken. Der Aufbau fließt zudem auch in die Bewertung ein: Neben der Choreografie entscheidet sauberes, schnelles und sicheres Arbeiten über den Sieg bei der Pyronale.
            

Mittwoch, 16 Uhr
Arbeiten im Akkord Image 3
Arbeiten im Akkord Image 4
Auf das Höhenfeuerwerk folgen die „Singleshots“ mit elf bis 20 Positionen in der Breite. Pro Position rechnet Markus Katterle, Gesellschafter und Art-Direktor der Firma Flash Art, mit bis zu 500 Einzelschüssen. In der Summe werden so bis zu 5000 Effekte präpariert – manche in eher flachen, andere in sehr steilen Winkeln. Präzisionsarbeit ist erforderlich, schließlich soll der passende Effekt im korrekten Winkel sowie richtigen Kanal und der dazugehörigen Haltevorrichtung aufgestellt werden.

Donnerstag, 10 Uhr
Arbeiten im Akkord Image 5
Arbeiten im Akkord Image 6
Noch immer sind die Teams mit dem Aufbau der „Singleshots“ beschäftigt. Parallel hierzu wird das Bodenfeuerwerk – Vulkane, Sonnen, Fontänen oder auch Schriftzüge – vorbereitet. Dass das Bodenfeuerwerk zuletzt auf Position gebracht wird, hat einen pragmatischen Grund: Es lässt sich aufgrund der großen, klobigen Maße am schlechtesten vor der Witterung schützen.

Donnerstag, 15 Uhr
Die Verkabelung erfordert Übersicht und einen kühlen Kopf: Jeder Effekt ist mit einer bestimmten Klemme verbunden. FOTOS: DAVIDS/SVEN DARMER (7)
Die Verkabelung erfordert Übersicht und einen kühlen Kopf: Jeder Effekt ist mit einer bestimmten Klemme verbunden. FOTOS: DAVIDS/SVEN DARMER (7)
Arbeiten im Akkord Image 7
Am Nachmittag geht es an die Verkabelung des Feuerwerks. Jeder Effekt muss mit der richtigen Klemme verbunden werden, die Kabel laufen im zentralen Zündsystem zusammen. Ein Etikettensystem sorgt dafür, dass jeder Effekt an der richtigen Klemme landet. Auf Tausenden Aufklebern haben die Pyrotechniker im Vorfeld die jeweilige Artikelnummer, den Effekt, die Position, den Winkel und den Anschlusskanal vermerkt. Am Vormittag des Veranstaltungstages sind sämtliche Effekte schließlich angeschlossen, das so aufgebaute Netzwerk wird mit dem „Controller“ verbunden. Nun können die Teams noch einmal überprüfen, wie gründlich sie gearbeitet haben. Mittels eines kleinen Impulses können mögliche Verkabelungsfehler entdeckt werden. Ob der passende Effekt gewählt wurde, lässt sich hierdurch jedoch nicht prüfen. Hierbei müssen sich die Pyrotechniker auf ihr Geschick verlassen.

Freitag, 10 Uhr
Am Freitag werden die letzten Back-ups eingerichtet.
Am Freitag werden die letzten Back-ups eingerichtet.
Arbeiten im Akkord Image 8
Die letzten Vorbereitungen werden getroffen. Dazu gehört die Synchronisierung des Feuerwerks mit der Tonspur. Hierfür wird ein sogenannter Timecode generiert, der sicherstellt, dass die Musik passgenau nach den Wünschen der Feuerwerker mit den Effekten übereinstimmt. Auch die Funkstrecken werden geprüft, schließlich muss es später möglich sein, dass die Regie mit den Pyrotechnikern an der „Shooting Range“ einwandfrei kommunizieren kann. Die Einrichtung diverser Back-ups gehört zu den finalen Schritten. Diese Back-ups geben den Teams zum einen die Sicherheit, dass ihre Choreografien auch bei technischen Problemen fehlerfrei laufen, zum anderen gehören sie zum Sicherheitskonzept. Mit einem Klick kann ein Feuerwerk gestoppt werden, sollte es doch einmal zu Problemen kommen.

Freitag, 17 Uhr
Arbeiten im Akkord Image 9
Kurz vor dem Einlass des Publikums nimmt die Jury den Feuerwerksaufbau endgültig ab. Eine Stunde später strömen die ersten Zuschauer auf das Areal. Die Produktionsleitung fragt alle Sicherheitsbereiche ab, dazu gehören die Feuerwehr, die Polizei, die Security vor Ort und auch das Rote Kreuz. Zudem wird der Flughafen Tegel eine halbe Stunde vor dem ersten Feuerwerk, das je nach Wetterlage gegen 20.45 Uhr startet, informiert. Den Arbeitern auf der „Shooting Range“ signalisiert ein Ampelsystem den Stand der Dinge: Grün bedeutet, dass noch gearbeitet werden darf. Springt die Ampel auf Gelb, haben alle Pyrotechniker den Sicherheitsbereich zu verlassen. Bei Rot darf sie nicht betreten werden. Die Anmoderation des Feuerwerks erfolgt nun aus dem Off, dann wird endlich gezündet und der Himmel färbt sich in ein strahlendes Farbenmeer, auf das die Teams in den vergangenen 72 Stunden hart hingearbeitet haben.
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