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Themenwelten Berliner Morgenpost
Pyronale 2019

Komponist Steve Last kreiert Hymne der Pyronale Berlin

Steve Last hat bereits zum dritten Mal eine Pyronale-Hymne komponiert

Steve Last fühlt sich vom Feuerwerk inspiriert. FOTO: DAVIDS/DARMER

MARTINA HELMIG  

Diese leuchtenden Farben, diese unbändige Energie! Steve Last staunte begeistert, als er zum ersten Mal die Pyronale besuchte. Der Neffe von James Last fand es großartig, wie perfekt die Feuerwerke mit der Musik harmonierten. Ein wenig wunderte er sich allerdings, dass ausschließlich klassische Musik zu hören war. Warum nichts Moderneres? Umso mehr freute er sich, als ein paar Monate später Pyronale-Direktor Gerhard Kämpfe anrief und zwei Musikstücke bei dem Komponisten und Musikproduzenten bestellte. Seine Pop-Rock-Hymne „Pyro-Passion“ kam bei den Feuerwerkern und beim Publikum bestens an und im nächsten Jahr war Steve Last wieder als Komponist gefragt. Bei dieser Pyronale ist er nun schon zum dritten Mal im Einsatz.

Besser ohne Bass

Für ihre Kür können sich die sechs internationalen Feuerwerker-Teams, die im Wettbewerb gegeneinander antreten, ein Potpourri aus einem Werkkatalog zusammenstellen. 73 klassische Musikstücke wie Händels „Feuerwerksmusik“, Mozarts „Kleine Nachtmusik“, Smetanas „Moldau“, der Gefangenenchor aus Verdis „Nabucco“ und die „Ode an die Freude“ aus Beethovens 9. Sinfonie stehen zur Auswahl. Für den Pflichtteil und das Abschlussfeuerwerk haben die Festivalleiter früher ebenfalls populäre klassische Werke ausgesucht. Zu diesen beiden Programmpunkten erklingt nun die elektronische Popmusik von Steve Last.

Am Anfang war das Komponieren für Feuerwerk absolutes Neuland für Steve Last. In Los Angeles hat er Filmmusik geschrieben, so war er es gewohnt, Klänge für visuelle Aktionen zu erfinden. Die großen Emotionen, die man im Film über zwei Stunden ausbreitet, in vier Minuten zu fassen war aber nicht ganz einfach. Er sah sich ein Feuerwerk an und begann, am Keyboard dazu zu improvisieren. Inzwischen ist Steve Last schon eine Art Experte in Sachen Feuerwerksmusik. Er hat mit vielen Feuerwerkern über ihre Wünsche und Bedürfnisse gesprochen.

„Ich fühle mich jetzt viel sicherer und vertrauter auf dem Gebiet“, erzählt der Komponist und Musikproduzent. Er hat herausgefunden, dass es nicht immer darum geht, schnelle rhythmische Akzente zu setzen. „Manchmal ist weniger mehr“, meint er. „Man kann auch eine Melodie wiederholen und ein neues Instrument oder eine Obermelodie dazusetzen. Das bringt mehr als noch ein Knall und noch ein Paukenschlag.“ Außerdem kennt er die Anlage im Olympiastadion inzwischen gut und weiß, dass er die ganz tiefen Bässe besser nicht benutzt, weil sie den Sound leicht breiig klingen lassen.

Steve Last ist gebürtiger Bremer, wuchs aber in einem musikalischen Umfeld in Los Angeles auf. Sein Vater Kai Warner leitete wie dessen berühmter Bruder James Last ein Tanzorchester. „Mein Vater und mein Onkel waren beste Freunde. Wir wohnten in derselben Nachbarschaft und sahen uns alle fast täglich. Unsere Familien haben auch die Sommerurlaube immer gemeinsam verbracht, erst jahrelang auf Sylt, später dann im Haus meines Onkels in Florida“, erzählt Steve Last. An James Last hat er vor allem seine Lebenseinstellung bewundert: „Er war ein Macher und ein unglaublich positiv denkender Mensch.“ Als Steve Last mit der Schule fertig war, wohnte er ein halbes Jahr lang bei seinem Onkel.

Von Pop bis Weltmusik

Dass er Musiker werden würde, stand für Steve Last schon früh fest. Vater und Onkel ermutigten ihn. Dabei war immer klar, dass er kein Tanzorchester leiten, sondern moderne Popmusik komponieren wollte. Neben dem Musikstudium am Konservatorium machte er ein Volontariat bei EMI Music, um das Musikgeschäft kennenzulernen. Danach schrieb er in Hamburg Musik für Udo Lindenberg, arbeitete für Christina Aguilera, Sting, Linkin Park und den Van-Halen-Sänger Sammy Hagar. Vor allem auf dem Gebiet der Weltmusik machte er sich einen Namen als Produzent von Projekten wie Galactic Caravan, Global Beat Manifesto und Neo Tango Syndicate.

Vor sechs Jahren ist Steve Last von Los Angeles nach Berlin gezogen. Im Moment schreibt er Hip-Hop-Musik mit chinesischen Anklängen für die US-Fernsehserie „Warrior“, die von Chinesen in San Francisco zu Beginn des 20. Jahrhunderts handelt. Im Oktober kommt sein neues neoklassisches Album „A Ripple in Time“ bei dem Label Kintsugi Recordings heraus, Ende des Jahres ein weiteres Album des New Silk Road Project mit Musikern aus China, der Mongolei und anderen Ländern entlang der Seidenstraße. Gerade hat er mit einem Kollegen zusammen ein neues Büro in der ehemaligen Traditionskneipe „Narkosestübchen“ eingerichtet, in der schon Willy Brandt verkehrte. Dort finden auch die Record-Release-Partys statt.

Jetzt liegt der Fokus aber erst einmal auf der Pyronale. „Jupiter’s Path“ heißt das Pflichtstück für den Wettbewerb, das mit weiten Klanglandschaften, gezupften Melodien, wilden Gitarrensoli und der Stimme eines Opernsängers aufwartet. Hymnisch und feierlich klingt der „Lightdance“ für das Abschlussfeuerwerk. Mit seinem elektronischen Pop hat Steve Last das musikalische Antlitz des Festivals in den letzten beiden Jahren deutlich verändert. Der Komponist ist zufrieden: „Es freut mich, dass es farbiger und abwechslungsreicher geworden ist.“
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