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Taijiquan bekannt als chinesisches Tai-Chi

Alle reden über Yoga. Doch auch andere uralte Bewegungsformen reduzieren Stress. Zum Beispiel das chinesische Tai-Chi

Beim Tai-Chi werden die Übungen ruhig und bewusst ausgeführt. ISTOCK/GEORGIA COURT

Friederike Deichsler 

Die fernöstliche Bewegungsform Tai-Chi soll nicht nur kräftigen, sondern vor allem helfen, den Stress zu reduzieren. Der Schlüssel: fließende Übungen, Langsamkeit und Befreiung von jeglichem Leistungsdruck.

„Wolkenhände“ oder „Die Mähne des Wildpferds teilen“ – bei diesen Bewegungen vergisst man schon mal, dass es sich hier um eine Kampfkunst handelt. Eher erinnert Taijiquan, kurz Tai-Chi, an eine Choreografie. „Man lernt zunächst eine sogenannte Form, einen Bewegungsablauf“, erklärt Markus Wagner, Vorstand der Bundesvereinigung für Taijiquan und Qigong Deutschland. „Ähnlich wie zum Beispiel beim Karate, aber quasi in Zeitlupe und mit großer Achtsamkeit auf Details und das eigene Körperempfinden.“

Heute wird Tai-Chi nur noch selten vordergründig als Kampfkunst ausgeübt, sondern vor allem wegen seiner gesundheitlichen Wirkung. Studien belegen die positiven Effekte, etwa Stärkung des Herz-Kreislauf-Systems, Linderung chronischer Schmerzen oder Stressabbau. Außerdem zeigten Untersuchungen, dass Tai-Chi bei älteren Menschen das Risiko für Stürze reduziert.

Das bestätigt auch Markus Wagner: „Man arbeitet gezielt mit Gewichtsverlagerungen, die Beinkraft wird gesteigert und die Rumpfmuskulatur gestärkt“, sagt er. „Außerdem macht Tai-Chi beweglich. Oberkörper und Schultern werden gelockert und der Nacken entspannt.“ Durch die Entschleunigung könne es einen auch sehr gut „runterbringen“. Nicht umsonst besagt ein chinesisches Sprichwort: Wer Tai-Chi übt, wird stark wie ein Holzfäller, gelassen wie ein Weiser und geschmeidig wie ein Kind.

Entscheidend ist dafür aber auch die mit Tai-Chi einhergehende Philosophie: „Es geht nicht um höher oder weiter, sondern darum, langsame, fließende Bewegungen bewusst auszuführen“, erklärt Wagner. „Man spürt in jedem Moment wieder neu in sich hinein. Wichtig ist die Verbindung der Körperteile in einem harmonischen Verhältnis.“ So lassen sich die Übungen der körperlichen Verfassung anpassen, was Tai-Chi für jeden zugänglich macht. Anfänger sollten jedoch mit einem erfahrenen Lehrer üben, der Haltungsfehler korrigiert, empfiehlt Wagner. Später könne man die Übungen auch alleine zu Hause ausführen.

Doch worin liegt der Unterschied zwischen Tai-Chi und Qigong?

Beide Bewegungsformen beschäftigen sich mit dem Fluss der Lebensenergie, dem Qi. Während Qigong dies bereits im Namen trägt, bedeutet Tai-Chi so viel wie „das Höchste“.

Beim Tai-Chi wird die Energie für Kräftigung, auch in Bezug auf Kampfkunst, genutzt. Es ist bewegungsorientierter, betont die Ausführung der Form.

Qigong ist dagegen keine Kampfkunst, sondern gehört zur traditionellen chinesischen Medizin (TCM). Das Qi fließen zu lassen und bewusst zu lenken, steht im Vordergrund. Übungen können im Stehen, Sitzen oder Liegen ausgeführt werden.

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