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Mit Charme, Gefühl und Witz

Am 10. November 2020 singt Kino- und Fernsehstar Jasmin Tabatabai in der Synagoge Rykestraße, tags darauf gastieren dort die Jewish Monkeys aus Tel Aviv

Schauspielerin und Sängerin Jasmin Tabatabai gastierte bereits mehrfach bei den Jüdischen Kulturtagen. FOTO: MATHIAS BOTHOR

„Jagd auf Rehe“ macht Jasmin Tabatabai in der Synagoge Rykestraße. Natürlich nur im übertragenden Sinn. Es handelt sich vielmehr um den Titel des neues Jazzalbums, das die Berlinerin mitten in der Corona-Pandemie veröffentlichte – und das ihr, als vom Distanz-Lernen geplagte Mutter, neben einem Sprecherjob für die rbb-Dokumentationsreihe „Berlin – Schicksalsjahre einer Stadt“ den bisweilen monotonen Alltag versüßte. Der Titelsong des Albums erklingt allerdings nicht auf Deutsch: „Shekare Ahoo“ ist ein persisches Volkslied. „Mein persönliches Highlight des Abends“, gesteht die passionierte Musikerin, die für ihr erstes Album „Eine Frau“ (2012) mit dem Preis Echo Jazz ausgezeichnet wurde. Jasmin Tabatabai ist eine Grenzgängerin: Sie greift auf klassische Lieder ebenso zurück wie auf Popsongs, auf Klassiker und auf unbekannte Stücke. Überhaupt weiß die Sängerin Stile, Epochen und Genres zu vereinen, auch wenn ihre Interpretationen stets im Jazz verortet werden können.

Mit den Jüdischen Kulturtagen ist die iranisch-deutsche Künstlerin eng verbunden. Bereits 2011 trat sie gemeinsam mit dem Bandleader und Saxophonisten David Klein bei dem Festival auf. „Es war damals eine wunderschöne Atmosphäre in der Synagoge Rykestraße“, erinnert sich Tabatabai. „Ich denke sehr gerne an dieses Konzert zurück. Es ist für mich eine Ehre, hier aufzutreten. Das Wunderbare an Musik ist ja unter anderem, dass sie eine universelle Sprache ist, die Menschen jenseits von Ideologien und auch Religionen verbindet. Eine Sprache, die überall auf der Welt verstanden wird. Ich sage deshalb gerne: Musik ist meine Religion.“
Die Jewish Monkeys versprechen eine energetische Bühnenshow, bei der Klezmer auf Punk trifft. FOTO: ILYA MELNIKOV
Die Jewish Monkeys versprechen eine energetische Bühnenshow, bei der Klezmer auf Punk trifft. FOTO: ILYA MELNIKOV
Diese Perspektive verdankt Tabatabei unter anderem der engen Zusammenarbeit mit David Klein und seinen Musikern. „David ist seit 2011 mein wichtigster musikalischer Partner und der Mann, der mich zum Jazz gebracht hat. Ich schätze seine Unbestechlichkeit und Kompromisslosigkeit in der Musik und dass er mir immer das Gefühl gibt, dass ich nichts falsch machen kann, wenn ich meinem Gefühl und meinen Instinkten vertraue. Das kommt meinem autodidaktischen Zugang zur Musik sehr entgegen.“

Musik als Religion, ein Stück weit könnte dieses Credo auch für die Jewish Monkeys gelten. Die selbst ernannten Punk-Opis sind eigentlich noch gar nicht so alt, schon gar nicht angesichts des Band-Nachwuchses, der in den vergangenen Jahren zu den Musikern dazustieß. Die dynamische Combo mag alles – außer Konventionen und Regeln. Bei den israelischen Musikern trifft Shtetl-Lyrik auf Punk-Rhythmen, jiddische Gassenhauer werden mit Afrobeats verwoben. Das alles garniert mit Ska-, Funk- und Balkania-Elementen.

Im November vergangenen Jahres veröffentlichten die Musiker ihre neueste Scheibe: „Catastrophic Life“. Ein Titel, der vielen in diesem Krisenjahr leicht von den Lippen geht. Das Gute ist, dass zumindest die Jewish Monkeys bei all den Katastrophen eins nicht verlernt haben: zu lachen, und das gerne auch mal über einen selbst. Diese gesunde Portion jüdischen Humors bringen sie nun nach Berlin. Es werden zwei fantastische Abende – voller Charme, Gefühl und Witz. Max Müller

Termine

Jasmin Tabatabai & David Klein Quartett
10. November, 19.30 Uhr

Jewish Monkeys
11. November, 19.30 Uhr

Synagoge Rykestraße
Rykestraße 53
Prenzlauer Berg
Tel.: 01806/999 00 07 07
(0,20 EUR/Verbindung aus dt. Festnetz, max. 0,60 EUR/Verbindung aus dt. Mobilfunknetz)
www.juedische-kulturtage.org
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