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„Musik kann Brücken bauen“

Die israelische Singer-Songwriterin Noa eröffnet mit ihrer dreiköpfigen Band am 7. November die diesjährigen Jüdischen Kulturtage Berlin

Die Sängerin Noa und ihr langjähriger musikalischer Partner Gil Dor eröffnen die diesjährigen Jüdischen Kulturtage. FOTO: RONEN AKERMAN

Im kommenden Jahr feiert die Veröffentlichung des Debütalbums von Achinoam Nini alias Noa das 30. Jubiläum. Es handelt sich dabei um den Mitschnitt eines Konzerts, das sie Anfang 1990 mit ihrem langjährigen Partner Gil Dor vor 132 Zuschauern in Tel Aviv spielte. Live-Shows besitzen für die israelische Sängerin mit jemenitischen Wurzeln einen höheren Stellenwert als Studioaufnahmen. „Ich zähle gerade die Tage bis zum Auftritt in Berlin“, sagt die 51-Jährige. Zuletzt übertrug sie auf ihrer Website Wohnzimmerkonzerte, denn am 18. September erlebte Israel den zweiten Lockdown. Dieser traf die Menschen und die Wirtschaft gleichermaßen hart. „Die Corona-Fälle sind wieder in die Höhe geschossen, weil sich einige wenige partout nicht an die Regeln halten konnten und ihren Egoismus über die Solidarität stellen“, empört sich die Künstlerin. Mitte Oktober lockerte die Regierung schließlich die Maßnahmen. Seitdem dürfen sich die Menschen wieder mehr als einen Kilometer von ihrem Zuhause entfernen, was überhaupt erst ermöglicht, dass Noa nach Berlin reisen kann.

Obwohl sie auf drei Jahrzehnte Bühnenerfahrung zurückblicken kann und dabei unter anderem mit Stevie Wonder, Sting, Sheryl Crow und Carlos Santana zusammenspielte, stellt das Konzert am 7. November für sie etwas Besonderes dar: „Ich bin wirklich enthusiastisch. Man muss sich nur einmal den Namen der Veranstaltung vor Augen halten. Dass man vor dem Hintergrund der Geschichte wieder von jüdischer Kultur und Berlin sprechen kann, ist großartig!“

Zu Berlin hat Noa eine sehr enge Beziehung. Zum einen auf der professionellen Ebene: „Ich spiele hier gern und oft.“ Zuletzt trat sie im vergangenen Jahr in der Passionskirche auf, wo sie ihr aktuelles Album „Letters to Bach“ vorstellte, das Quincy Jones produziert hat. Noa schrieb zu zwölf Werken des Barock-Komponisten Texte auf Hebräisch und Englisch. Auch privat fühlt sich die Künstlerin hier wohl und verbringt Zeit mit zahlreichen Freunden und mit ihrer Cousine, der Opernsängerin Tehila Goldstein. Diese zog 2007 nach Berlin, wo sie unter anderem an der Staatsoper Unter den Linden wirkte und 2013 ebenfalls die Jüdischen Kulturtage mit einem kammermusikalischen Programm eröffnete.

Noa hat ihre Set-List für die Eröffnung noch nicht fertiggestellt. „Das geschieht auf die letzte Minute“ – und in enger Abstimmung mit Gil Dor (Gitarre), Or Lubianiker (Bass) und Gadi Seri (Schlagzeug). Die vier können aus einem reichhaltigen Repertoire schöpfen, das sich von traditioneller Musik über Folk, Pop und Jazz bis Klassik erstreckt. Musik bedeutet für Noa mehr als nur Unterhaltung. Sie setzt sich unter anderem aktiv für den israelisch-palästinensischen Austausch ein. Menschen verbinden, Brücken zwischen Kulturen und Religionen zu bauen – „was eignet sich dafür besser als die Musik?“

Konzerte und andere Bühnenformate bilden traditionell das Herzstück des Festivals Jüdische Kulturtage Berlin. Erstmalig findet in diesem Rahmen ein Poetryslam statt, der sich im Pfefferberg Theater mit hintergründigen und flotten Texten der Begegnung verschiedener Religionen widmet. Auf eine längere Tradition blickt der Balagan Day zurück. Balagan bedeutet so viel wie „fröhliches Chaos“. Dahinter verbirgt sich ein Familienprogramm mit orientalischen Essensständen und Bühnenprogramm. Der 9. November nimmt während des einwöchigen Festivals eine besondere Stellung ein. Auf ein klassisches Bühnenprogramm wird verzichtet, der Tag steht im Zeichen des Gedenkens. Vor 82 Jahren fanden die Novemberpogrome der Nationalsozialisten statt. Dieses Datum impliziert heutzutage, in Zeiten zunehmender antisemitischer Übergriffe, auch den Appell, entschlossen Hass und Gewalt entgegenzutreten. Ronald Klein

Termine

Noa in Concert
Eröffnungskonzert der Jüdischen Kulturtage
Berlin 2020
7. November, 20 Uhr

Synagoge Rykestraße
Rykestraße 53
Prenzlauer Berg
Tel.: 01806/999 00 07 07 (0,20 EUR/Verbindung aus dt. Festnetz, max. 0,60 EUR/Verbindung aus dt. Mobilfunknetz)
www.juedische-kulturtage.org

Balagan Day
8. November, 12–18 Uhr
(Eintritt frei)

Gedenkveranstaltung
9. November, 19 Uhr
(Eintritt frei, Anmeldung unter vorstand@jg-berlin.com)

Jüdisches Gemeindehaus Fasanenstraße
Fasanenstraße 79–80
Charlottenburg

Religious Poetry Slam
11. November, 19 Uhr

Pfefferberg Theater
Schönhauser Allee 176
Prenzlauer Berg
Tel.: 030-939 35 85 55
www.kiezpoeten.com
www.juedische-kulturtage.org

Grußwort des Schirmherrn

Ob die Jüdischen Kulturtage in ihrem 33. Jahr überhaupt stattfinden können, war eine ganze Zeit lang fraglich. Das kulturelle Leben Berlins stand – Corona-bedingt – über einen viel zu langen Zeitraum still. Es ist den Veranstaltern zum Glück gelungen, die vielen interessanten Veranstaltungen so zu planen, dass sie den Hygieneanforderungen gerecht werden. Das Jahr 2020 stellt schon einige spezifische Anforderungen, die im Aufgabenprofil des Kultursenators nicht vorgesehen waren. Umso mehr freue ich mich, dass es endlich an ganz vielen Orten in unserer Stadt wieder losgeht, dass diese Stadt, die ohne Kultur nicht denkbar ist, sich Stück für Stück die Normalität zurückholt. Die Vielfalt der jüdischen Kultur, mit Künstlern aus aller Welt, gehört unverzichtbar dazu. Generationsübergreifend präsentiert das Programm der Kulturtage 2020 von Arthur Millers Spätwerk „Scherben“ über einen interreligiösen Poetry Slam bis hin zur Märchenoper für die kleinen Besucher ebendiese Vielfalt. Die beiden großartigen Schauspielerinnen Jasmin Tabatabai mit dem David Klein Quartett und Martina Gedeck mit dem Pianisten Sebastian Knauer und der Lebensgeschichte Gershwins werden sicher in der größten Synagoge Deutschlands in der Rykestraße das Publikum begeistern. Der humoristische Abend „Lerne lachen, ohne zu weinen“ im Renaissance-Theater Berlin, der bereits zum 5. Mal stattfindet, hat sich zum Dauerbrenner entwickelt. Besonders freue ich mich, dass auch die Deutsche Oper in diesem Jahr, vertreten durch ihre fantastische BigBand, Teil der Jüdischen Kulturtage ist. Nicht zuletzt setzen die Jüdischen Kulturtage, die Vielfalt jüdischer Traditionen und moderner Kunst und Kultur, auch in diesem Jahr ein Zeichen der Solidarität – gegen die Dummheit leider altbekannter Verschwörungsfantasien und gegen neonazistische Hetze. Auch dafür stehe ich mit meiner Schirmherrschaft.

Dr. Klaus Lederer,
Bürgermeister und Senator für Kultur und Europa
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