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Shalom Berlin

Zwei musikalische Erfolgsgeschichten

Ungewöhnlich arrangierte Kammermusik und die George-Gershwin-Story – erzählt aus der Perspektive seiner Schwester Francis

Das Jerusalem Duo lädt zum Duett mit Harfe und Saxofon. FOTO: YIFAT YOGEV

Fünf Jahre arbeitete das Duo Jerusalem an seinem Debüt „Premiere“. Bei den diesjährigen Jüdischen Kulturtagen stellen Saxophonist André Tsirlin und Harfenistin Hila Ofek Stücke daraus vor. Ungewöhnlich ist das Programm allemal, allein durch die einzigartige Kombination dieser zwei Instrumente. Das Duo verdankt die Entstehung einem Zufall: „Hila musste ein Konzert mit einem Flötisten spielen, der leider im letzten Moment absagen musste. Halb im Scherz hat der Veranstalter damals vorgeschlagen, dass ich mit dem Saxophon doch einspringen könne“, erklärt André Tsirlin die Gründungsgeschichte. Eine gute Entscheidung, wie sich schnell herausstellte. Die Performance wurde ein Erfolg. Durch die vielen positiven Rückmeldungen motiviert, beschlossen die beiden Musiker, gemeinsam ein abendfüllendes Programm zu entwickeln.
Martina Gedeck liest Texte von Wolfgang Knauer. FOTO: CORBIS COSIMA SCAVOLINI
Martina Gedeck liest Texte von Wolfgang Knauer. FOTO: CORBIS COSIMA SCAVOLINI
Inzwischen sind beide nicht nur miteinander verheiratet, sondern auch das musikalische Repertoire des Paares hat sich erweitert. Dank der fehlenden Vorlagen für das Zusammenspiel der Instrumente steht es ihnen frei, was sie spielen. „Wir versuchen, bei unserem Repertoire Grenzen zu überschreiten. Aus diesem Grund besteht unser Programm aus Stücken wie Vivaldis ,La folia‘ und Liedern der Beatles, argentinischen Tangos, jüdischer traditioneller Musik und anderen sehr interessanten musikalischen Kombinationen“, erklärt das Duo. Fragt man sie indes nach ihren weiteren Plänen, lachen sie. „Das Jahr 2020 hat wieder einmal bewiesen: Wenn man Gott zum Lachen bringen will, sollte man etwas planen.“ Vorerst freuen sich beide auf Berlin, wo ihre Zeit in Deutschland vor acht Jahren begann, „sodass wir immer einen warmen Platz in unserem Herzen für diese großartige Stadt haben“.

Unter dem Titel „American Dream – Erinnerungen an George Gershwin“ widmen sich Sebastian Knauer und Martina Gedeck einer anderen Erfolgsgeschichte. Als die Eltern von George Gershwin Ende des 19. Jahrhunderts nach Amerika auswanderten, ahnten sie nicht, dass ihr Sohn, der in Brooklyn das Licht der Welt erblickte, später Welterfolge mit seiner „Rhapsody in Blue“, dem Musical „Porgy and Bess“ oder der Orchesterkomposition „Ein Amerikaner in Paris“ feiern würde. Die russisch-jüdischen Immigranten kauften für ihren ältesten Sohn Ira ein Klavier, das jedoch bald George in Beschlag nahm.
Star-Pianist Sebastian Knauer ist mit George Gershwins OEuvre bestens vertraut. FOTO: MARTIN FÖRSTER
Star-Pianist Sebastian Knauer ist mit George Gershwins OEuvre bestens vertraut. FOTO: MARTIN FÖRSTER
Sebastian Knauer spielt am 12. November Stücke des Komponisten und ist begeistert: „Gershwin begleitet mich schon seit meiner Jugend. Seine berühmten Songs und seine ,Rhapsody in Blue‘ haben mich immer begeistert.“ Bereits 1998 nahm Knauer eine ganze CD mit Stücken des US-Amerikaners auf. „Es ist eine wunderbare und eingängige Melodik, verbunden mit einzigartigen Rhythmen, die Gershwin aus dem Jazz übertragen hat. Trotzdem sah er sich auch als Komponist der sogenannten ernsten Musik, was sein Klavierkonzert besonders gut widerspiegelt“, erklärt der Pianist. Umrahmt werden seine musikalischen Einlagen durch authentische Zeugnisse von Freunden und Weggefährten, auf deren Basis Wolfgang Knauer Texte für den Abend schrieb, darunter auch aus der Sicht von Gershwins Schwester Francis. Diese liest am 12. November Martina Gedeck. Die Schauspielerin hatte während ihrer Zeit in den USA die Möglichkeit, „Porgy and Bess“ auf der Bühne zu sehen. Jetzt freut sie sich auf den Gershwin- Abend und die Texte, die sie lesen wird: „Francis spricht voller Liebe von ihrem Bruder, von seiner Kindheit, seiner Begeisterung für die Musik, von seinem kindlichen Talent und seiner genialischen musikalischen Entwicklung zu einem der größten Komponisten Amerikas; und dadurch wird er vor dem geistigen Auge der Zuschauer lebendig und fassbar und seine Musik kommt einem sehr nahe.“ Trotzdem waren die Zeiten nicht einfach – soziale Ungerechtigkeit, Rassenhass und Antisemitismus gab es auch damals schon. „Als wir mit dem Programm vor einigen Jahren begonnen haben, war mir nicht klar, wie aktuell es einmal wieder sein würde“, meint die Schauspielerin. Aktuell und dennoch zeitlos. „Genau wie die Musik von Bach, Mozart oder Beethoven – Gershwins Musik ist unsterblich und wird die Menschen noch viele weitere Jahrhunderte überleben“, fasst Sebastian Knauer die Musik des Komponisten zusammen. Barbara Hoppe

Termine

Jerusalem Duo
11. November, 19.30 Uhr

Synagoge Pestalozzistraße
Pestalozzistraße 14
Charlottenburg
Tel.: 01806/999 00 07 07
(0,20 EUR/Verbindung aus dt. Festnetz, max. 0,60 EUR/Verbindung aus dt. Mobilfunknetz)
www.juedische-kulturtage.org

American Dream – Erinnerungen an George Gershwin
Mit Martina Gedeck und Sebastian Knauer
12. November, 19.30 Uhr

Synagoge Rykestraße
Rykestraße 53
Prenzlauer Berg
Tel.: 01806/999 00 07 07
(0,20 EUR/Verbindung aus dt. Festnetz, max. 0,60 EUR/Verbindung aus dt. Mobilfunknetz)
www.juedische-kulturtage.org
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