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Weihnachten genießen 2019

Weihnachtsbräuche - Warum gibt es ...?

Weihnachten ist ein Fest mit vielen Traditionen. Aber wie kam der Kranz eigentlich zum Advent? Ein paar Hintergründe für den Small Talk an den Feiertagen

Fotos: Adobe Stock/Goldpix/Sandra Thiele, iStockphoto/nito100/DustyPixel/NGvozdeva

Evelyn Steinbach

... eine Krippe?

Die Idee von der Futterkrippe als Wiege Jesu lässt sich schon im Frühchristentum nachweisen. Eine solche Futterkrippe stand zu Weihnachten neben dem Kirchenaltar. Im Mittelalter legte man eine Jesuspuppe hinein, die bei weihnachtlichen Wiegeliedern zum Schaukeln gebracht wurde. Populär wurde die Inszenierung der Geburt durch Franz von Assisi, der 1223 eine Krippe mit Ochs, Esel und lebensgroßen Wachsfiguren aufbauen ließ. „Die älteste Krippe der Jesuiten soll 1560 im portugiesischen Coimbra aufgestellt worden sein“, sagt Martin J. Martlreiter, Präsident des Verbandes Bayerischer Krippenfreunde.

... Räuchermännchen?

Zunächst waren Räuchermännchen schlicht Abdeckungen für Räucherkerzen und -kegel und dienten dem komfortablen Abbrennen des Weihrauchs. Sie wurden 1830 erstmals erwähnt. „Ursprünglich hat man beliebte Figuren des Lebens dargestellt, zum Beispiel verschiedene Berufe des Volkes“, sagt Dieter Uhlmann vom Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller. Dann entwickelten die Handwerker auch Figuren für Weihnachten.

... einen Adventskranz?

Der Adventskranz geht auf eine Erfindung des Pfarrers Johann Hinrich Wichern im Jahr 1839 zurück. Da die Waisen, um die er sich kümmerte, fragten, wann denn endlich Weihnachten sei, baute er aus einem alten Wagen einen Holzkranz mit 20 kleinen roten und vier großen weißen Kerzen als Kalender, erklärt Gundlach. An jedem Tag in der Adventszeit wurde eine weitere Kerze angezündet, an den Sonntagen eine der großen, sodass die Kinder die Tage bis Weihnachten abzählen konnten.

... einen Weihnachtsbaum?

Weihnachten ohne einen Tannenbaum können sich viele nicht vorstellen. Der Brauch, einen Baum in der Stube aufzustellen, wurde hierzulande jedoch erst im 18. Jahrhunderts populär. Zuvor standen Weihnachtsbäume draußen, später konnten sich nur reiche Leute so einen Baum in ihrem Zimmer leisten. Mit dem Nadelbaum, der auch im Winter grün ist, wollten die Menschen wohl etwas Lebendiges ins Haus holen. Manche vermuten, dass sie so die Geister des Winters vertreiben wollten.

... Baumschmuck?

Unter Martin Luther wurde Weihnachten zum Familienfest. Beim evangelischen Adel wurde der Christbaum dann mit Kerzen zum Lichterbaum, der Jesus als das Licht der Welt symbolisiert. Um 1900 übernahmen laut dem Theologen Manfred Becker-Huberti die Katholiken das Brauchtum. Geburtsort der farbigen Kugeln aus Glas allerdings soll das thüringische Lauscha gewesen sein, sagt Thies Gundlach, Theologischer Vizepräsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland. Die Geschichte dazu: Weil sich ein armer Glasbläser 1847 keine Nüsse und Äpfel leisten konnte, fertigte er die Früchte selbst aus Glas und hängte sie an den Baum.

WEIHNACHTSBRÄUCHE AUS ALLER WELT

Spanien: Die Lottofee kommt

Am Mittelmeer werden die Festtage von einem durch und durch weltlichen Ereignis eingeläutet: Am Vormittag des 22. Dezember versammelt sich das ganze Land vor dem Fernseher und hofft auf den Geldregen unterm Weihnachtsbaum. Denn jedes Jahr findet die große Sonderziehung der staatlichen Lotterie, die „Sorteo de Navidad“ statt. Die Lotterie gilt als die größte weltweit und verspricht durch ihr Losverfahren etwas höhere Gewinnchancen, die viele Teilnehmer durch Spielgemeinschaften zusätzlich erhöhen. Denn jeder will selbstverständlich nur eines: einen Teil des Hauptgewinns „El Gordo“ (auf Deutsch: der Dicke) abräumen – insgesamt immerhin 640 Millionen Euro. Über 120 davon jubelte im Jahr 2011 das Dorf Sodeto, dort hatte bis auf einen Bewohner jeder ein Los gekauft.


Katalonien: Alle auf den Onkel

Einen weitaus traditionelleren Brauch pflegen die Katalanen, die vom 8. Dezember bis Heiligabend hingebungsvoll ihren „Tió de Nadal“ (auf Deutsch: Weihnachtsonkel) füttern. Dabei handelt es sich um einen dicken Holzklotz mit Gesicht, Mütze und Beinen, dem ein rotes Mäntelchen umgehangen wird. Jeden Tag legen die Kinder Brot und Obst zu seinen Füßen ab, um den Tió gut zu nähren. An Heiligabend verstecken die Eltern kleine Geschenke und Süßigkeiten unter dem Mantel, und dann wird es handfest: Nachdem die Kinder ein Lied gesungen haben, dreschen sie mit Stöcken auf den Tió ein, damit er Geschenke – nun ja – kackt. Das Ganze ist allerdings lediglich der Auftakt, die eigentliche Bescherung findet in ganz Spanien nämlich erst am 6. Januar statt.
USA: Wo ist die verflixte Gurke?

In den USA begibt man sich auf die Suche nach der „Christmas Pickle“: Jedes Jahr wird an den farbenfroh geschmückten Weihnachtsbaum eine Christbaumkugel in Form einer Gewürzgurke gehängt. Natürlich gut versteckt, damit sie zwischen den grünen Zweigen nicht sofort ins Auge fällt. Wer zu Weihnachten als erster die Gurke am Baum entdeckt, bekommt ein zusätzliches Geschenk. In den USA herrscht übrigens die Meinung, die Weihnachtsgurke sei irgendwann einmal aus Deutschland über den Großen Teich geschwappt, während der Brauch hierzulande weitgehend unbekannt ist.

England: Weihnachten in der Box

Am 26.Dezember wird in Großbritannien „Boxing Day“ gefeiert. Handwerker und Hausangestellte erhalten traditionell eine Geschenkschachtel. Seinen Ursprung hat der Brauch in der Tradition, den Bediensteten am Tag nach Weihnachten freizugeben und ihnen etwas zu schenken. Inzwischen steht der „Boxing Day“ aber auch für verkaufsoffene Geschäfte und Sonderrabatte, die am Tag nach Weihnachten regelmäßig für Tumulte sorgen.

Skandinavien: Oh, du schöne Lucia

Im hohen Norden wird am 13. Dezember das Luciafest gefeiert, ein Brauch, der vermutlich auf ein Heiligenfest zurückgeht. An diesem Tag verkleiden sich Mädchen – traditionell die älteste Tochter der Familie – als Lucia, mit weißem Gewand und Kerzenkranz auf dem Kopf. In einer Art Prozession ziehen tagsüber alle Lucias singend durch die Ortschaften, gefolgt von Sternenknaben und Wichteln. Zum Abschluss der Feierlichkeiten wird die schönste Lucia gewählt. (ao)

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