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Themenwelten Berliner Morgenpost
Weihnachten genießen

Chance: Ein besonderes Weihnachten

Wie auch unter erschwerten Bedingungen ein stimmungsvolles und fröhliches Fest gelingen kann

Herausforderung: 2020 müssen viele Familien kreative Wege finden, um an den Festtagen „zusammen“ zu sein. Fotos: iStockphoto/ArtistGNDphotography/franckreporter/SDI Productions/Halfpoint

Traditionen gehören zu Weihnachten wie Kerzenschein und Kekse. Auch die großen Familienfeiern gehören oft dazu. Doch in diesem Jahr könnte alles anders kommen. Noch weiß keiner, wie sich die Pandemiezahlen im Dezember entwickeln und welche Einschränkungen es geben wird. Jeder ist aufgefordert, in diesem Jahr vielleicht etwas umzudenken, flexibler zu sein.
Der Psychologe und Coach Thilo Hartmann rät dazu, dass sich jeder erst einmal fragt, was es für ihn selbst bedeuten würde, wenn die Pläne nicht umgesetzt werden können. „Zurzeit herrscht eine große Unsicherheit, die Stress bei uns auslöst. Daher ist jetzt der Blick auf sich selber wichtig. Wenn ich befürchte, in ein tiefes Loch zu fallen, wenn alle Pläne über den Haufen geworfen werden müssen, sollte ich lieber nichts planen.“ Häufig helfe es, sich darüber klar zu werden, was einem wichtig ist am Fest und wie man dafür eine Alternative finden könnte. „Liebt man eher Ruhe und Besinnlichkeit oder sind es die sozialen Kontakte? Etliche Menschen finden Weihnachten stressig, halten nichts von Plänen. Für diese Menschen bietet sich nun die Möglichkeit, sich aus den bisherigen Ritualen herauszuziehen und somit die Chance auf einen Neuanfang“, meint Hartmann. Andere, vor allem alte Menschen, hätten in ihrem Leben schon so viel erlebt, dass sie oft sagen würden: Egal, mich schreckt nichts mehr!
Die Zeit der Besinnlichkeit sollte dieses Jahr auch eine Zeit der Selbstreflexion sein. „Wenn man weiß, was man will, sinkt automatisch der Stresspegel – und das wiederum stärkt das Immunsystem, was wir jetzt alle gut gebrauchen können“, meint der Psychologe. Und hier noch mehr Tipps für diese besondere Weihnachtszeit:

Angst vor Kontakten?

Viele scheuen sich vor generationsübergreifenden Treff en wegen der möglichen Infektionsgefahr. Hier hilft, miteinander zu reden. Eine Lösung könnte beispielsweise sein, sich in der größtmöglichen Wohnung zu treffen, um die Abstände einhalten zu können, oder auch das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, selbst im Familienkreis. Denkbar wäre auch, klar zu verabreden, sich nicht gegenseitig zu drücken und zu berühren. Hier sei Kommunikation im Vorfeld wichtig, so Hartmann. Auch eine Vorquarantäne, wie vom Chefvirologen Christian Drosten vorgeschlagen, sei ein möglicher Schutz. Dabei würden die Familienmitglieder eine Woche vor dem Treff en mit den Großeltern alle sozialen Kontakte so weit es geht einschränken und nur im Homeoffice arbeiten.

Kein Backen mit den Enkeln?

Backen Sie doch einfach alleine oder mit dem Partner und schicken dafür ein Überraschungspäckchen mit den süßen Leckereien und ganz viel Liebe. Kommt mit Sicherheit gut an!

Gäste sind nicht erlaubt?

Genießen Sie entspannte Tage alleine, mit Ihrem Lieblingsmenschen oder Ihrer Kleinfamilie – ausschlafen, lesen, spielen, Filme schauen, Frühstück im Bett. So entspannt war Weihnachten noch nie. Das Adventstreffen mit den Freunden funktioniert auch virtuell. Jeder stellt sich seinen Glühwein und etwas zu knabbern neben den Bildschirm und der geteilten Vorfreude aufs Fest steht (fast) nichts mehr im Wege.

Weihnachten ohne große Familienfeier?

Schicken Sie stattdessen Geschenke und liebevoll gestaltete Karten. Auch ein Video-Call, vielleicht beim Geschenkeauspacken, schaff t Gemeinsamkeit. Ein Videoanruf oder eine Video-Konferenz beispielsweise über Skype oder Zoom sollten aber rechtzeitig vorbereitet, ältere Familienmitglieder vielleicht sogar angelernt werden. „Daher ist es ganz wichtig, früh über seine Wünsche und Vorstellungen zu reden“, sagt Psychologe Hartmann.

Wie erkläre ich es den Kindern?

„Das hängt vom Alter ab“, meint Thilo Hartmann. Am besten sei, erst mal zu sagen: „Im Moment gibt es eine große Krankheitswelle und wir wollen Oma und Opa nicht anstecken.“ Wenn das Kind nachfragt, könnte man häppchenweise weiter ins Detail gehen.

Und der Kirchenbesuch?

„Viele Gottesdienste werden im Freien stattfinden: auf großen Plätzen und in Stadien“, sagt Carsten Splitt, Sprecher der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) – und hoff t auf gutes Wetter. Während die Kirchen als Ort der Stille geöffnet sein werden, würden viele Gottesdienste davor stattfinden. Ergänzt würde das Angebot um Livestreams und Fernsehgottesdienste. Simone Jacobius

CORONA-REGELN

Abstand
Generell sollte überall ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zu anderen Menschen außerhalb der Hausgemeinschaft eingehalten werden. Sowohl in der Öffentlichkeit als auch in privaten Räumen dürfen sich nur Personen aus zwei Haushalten sowie Angehörige aus einem Haushalt plus zwei weitere Personen aus zwei verschiedenen Haushalten treffen (insgesamt maximal zehn Personen).

Veranstaltungen
In geschlossenen Räumen dürfen öffentliche Veranstaltungen mit maximal 50 Personen stattfinden, im Freien mit maximal 100 Personen. Großveranstaltungen sind weiterhin untersagt.

Mund-Nase-Schutz
Die Maskenpflicht gilt im ÖPNV, auf der Arbeit, in der Schule und in allen öffentlichen Gebäuden und Einkaufszentren. Außerdem auch auf Märkten und in zehn Einkaufsstraßen Berlins. Maskenverweigerer müssen mit Bußgeldern zwischen 50 und 500 Euro rechnen.

Private Reisen
Touristische Übernachtungen im Inland sind bis zum 30. November generell untersagt.

Gastronomie
Restaurants dürfen Speisen nur außer Haus zur Abholung oder Lieferung anbieten. Zwischen 23 und 6 Uhr dürfen zudem keine alkoholischen Getränke verkauft werden.

Sonstiges
Der Betrieb von Theatern, Museen, Kinos, Bars, Kneipen, Clubs und Bordellen ist bis Ende des Monats verboten, ebenso geschlossen bleiben Saunen, Schwimmbäder, Fitness-, Tattoo- und Kosmetikstudios.

Angaben ohne Gewähr. Alle aktuellen Regeln finden Sie online unter: www.berlin.de/corona

Corona-Regeln in Berlin (Stand 4.11.2020)
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