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Weihnachten genießen

Inspiration: Licht, Lametta und viel Liebe

An Weihnachten wird rund um den Globus dekoriert. Die einen mögen’s dabei überladen, die anderen ganz natürlich. Ein Blick in die Welt – abgucken erlaubt

Fotos: iStockphoto/SergeYatunin/oversnap, Adobe Stock/Ortis

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Nordamerika: Grell und bunt

Für den Weihnachtsmorgen am 25. Dezember in Amerika bräuchten Eltern starke Nerven, sagt Bryn Vertesi, die mit ihrem Mann und den drei Kindern in Berlin lebt. „Die Kids sind um sechs Uhr wach und wollen ihre Geschenke.“ Gebürtig aus Indiana lernte sie Weihnachten mit künstlichem Baum kennen. „Dafür war er immer sehr bunt geschmückt“, so die Sängerin, die Weihnachten in ihrer Heimat mit einem einzigen Wort beschreibt: überladen. Dazu gehörten und gehören auch die Strümpfe am Kamin und die pompösen, leuchtenden Rentier- und Santa-Claus-Inszenierungen in den Vorgärten neben vielen bunten Lichterketten. „Im Wohnzimmer steht für den Weihnachtsmann stets ein Teller mit Schokokeksen und ein Glas Milch bereit, für seine Rentiere gibt es Karotten“, beschreibt Vertesi alte Bräuche, die heute so lebendig sind wie eh und je.
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England: Weihnachtssterne und Lichterketten

„Rote Weihnachtssterne sind bei meiner Mutter ein Muss zur Adventszeit“, gibt Anya Kenneavy vom House Management im English Theatre in Kreuzberg einen Einblick in die Familientradition. Aufgewachsen in North Yorkshire kann sie sich auch an die Tradition des festlich geschmückten Weihnachtsbaums mit vielen Kugeln, Lametta, Lichterkette und einem Engel auf der Baumspitze erinnern. „Adventskränze habe ich erst in Deutschland kennengelernt und finde sie, wie den Advent überhaupt, großartig“, erzählt Kenneavy. Auch Adventskalender, bunte Teller und Lebkuchen – Fehlanzeige. „Dafür sieht man in den Vorgärten große, bunte und funkelnde Weihnachts-Szenerien“, so die aus dem Nordosten des Königreichs kommende Wahlberlinerin über ein Dekofaible, das an amerikanische Weihnachten erinnert.
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Polen: Natur und Nächstenliebe

„Ohne Weihnachtsbaum kein Weihnachtsfest“, sagt Konrad Guldon. Der Leiter des Polnischen Fremdenverkehrsamtes in Berlin feiert das Fest bei seiner Familie in Stettin ganz nach polnischer Tradition. Dazu gehört neben einer festlich geschmückten Weihnachtsstube auch das Weihnachtsessen. „Das gibt es bei uns an Heiligabend“, sagt Guldon. Um den Tischschmuck muss man sich fast keine Gedanken machen. Die dezente Dekoration in Rot und Weiß mit Tannengrün fällt kaum auf, kommen doch zwölf Gerichte auf den Tisch. Am Tisch gäbe es immer einen freien, eingedeckten Platz für einen möglichen vorbeikommenden Wanderer.
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„Aus Deutschland haben wir in den letzten Jahren die Tradition der Adventskränze übernommen“, so Guldon. Seine Urgroßeltern hatten unter der Tischdecke Stroh ausgelegt. Konrad Guldon: „Das machen wir nicht mehr, aber es findet sich dennoch etwas auf dem Tisch, damit auch die Tiere etwas zu essen vorfinden.“ Neben Dekoration aus der Natur, wie Strohsterne, Beeren und getrocknete Früchte, schmückt man in Polen gerne mit christlichen Motiven wie Engeln und Krippen.
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Schweden: Lichter und Hygge

„In Schweden ist uns Dekoration vor und zu Weihnachten sehr wichtig“, sagt Elisabeth Mayr, Referentin bei der Schwedischen Botschaft. „Es ist ja bekannt, dass es in Schweden im Dezember sehr lange dunkel ist. Dekoration soll Licht in den langen Winter bringen. Ganz typisch ist daher der Adventsstjärna, der Adventsstern, ein beleuchteter Papierstern, der gerne im Fenster platziert wird.“ Typisch sind auch die traditionell pyramidenförmigen Kerzenleuchter mit fünf bis sieben Kerzen, die auch in hiesigen Wohnzimmern schnell Hygge-Stimmung verbreiten.
 
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Im hohen Norden gehören außerdem traditionelle Weihnachtsfiguren zum Fest, etwa der Weihnachtswichtel „Tomte“ aus Filz und der „Julbock“, eine mythologische Figur, die heute allerdings nur noch als aus Stroh geflochtene Dekofigur vorkommt. Zur Tradition gesellen sich überregionale Trends, wie der Wunsch nach Nachhaltigkeit, der sich in der Verwendung von Naturmaterialien wie Holz, in Servietten und Tischdecken aus Leinen sowie in Papier- oder Strohsternen zeigt. Dazu gesellen sich geradlinige Formen und dezente Farben.
 
Fotos: Simon Paulin, iStockphoto/Vladimirs/fadheit/ DawnKey/Issaurinko
Fotos: Simon Paulin, iStockphoto/Vladimirs/fadheit/ DawnKey/Issaurinko
Schweiz: Holz und Lametta

„In meiner Heimat wird schon Anfang November, nach Allerheiligen, weihnachtlich dekoriert“, sagt der Schweizer Chris Kaiser, der mit seinem Ehemann Matthias den kleinen Schweizer Spezialitätenladen Chuchichäschtli in Wilmersdorf betreibt. Beim Adventskranz und der Beleuchtung von Balkonen seien sich die Schweiz und Deutschland ansonsten ähnlich, so Kaiser. „Einen Adventskalender hatte ich als Kind auch, jedoch ohne Schokolade, dafür mit Bildern“, erinnert er sich. Die Gemütlichkeit, die von außen mit der Alpenrepublik verbunden wird, kann er bestätigen. „Chalet-Stil, Behaglichkeit, beleuchtete Fenster, Kerzen“ und – fügt er schmunzeld hinzu – „viel Lametta“. Farblich geht es dezent zu, es dominieren die Farben Rot, Gold und Silber. Gepaart mit viel Holz, einem offenen Kamin (oder Kerzen) und wolligen Textilien verbreitet sich alpine Wärme mit ein paar Handgriffen in jedem Wohnzimmer. Manuela Blisse
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