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Weihnachten genießen

Nachhaltig: Schön und gut

Kreative Geschenkverpackungen sind ein riesiger Trend und schonen die Abfallbilanz. Die Materialien stammen aus Heim und Garten

Fotos: iStockphoto/Gargonia, Pietro Sutera

Zeitungspapier drum herum, fertig. Von ausgetüftelter Geschenkverpackung kann bei dieser Notfalllösung wahrlich nicht die Rede sein. Doch inzwischen kann man dem wieder etwas abgewinnen. Denn: „Aus alten Tageszeitungen, Werbeprospekten, Stoffresten oder gebrauchten Kalendern lassen sich im Handumdrehen individuelle Geschenkhüllen basteln“, weiß Corinna Vosse, Mitgründerin von Kunst-Stoffe – Zentralstelle für wiederverwendbare Materialien e. V. in Berlin. Verpackungen aus recycelten Materialien sind umweltfreundlich und würden, so Vosse, helfen, die Abfallmenge, die zu Weihnachten um 20 Prozent steigt, zu reduzieren.
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„In den letzten zwei, drei Jahren ist nachhaltiges und kreatives Verpacken zum Trend geworden“, sagt Julia Uherek von der Messe Frankfurt und der Christmasworld, „damit wird die Verpackung auch zum Teil des Geschenks. Sich Mühe geben, dem Einpacken besondere Aufmerksamkeit und Zeit widmen, machen das Geschenk dabei zugleich wertiger.“
Fotos: iStockphoto/MaximFesenko/DebbiSmirnoff/Alla Machutt/miriam-doerr/Mykola Sosiukin
Fotos: iStockphoto/MaximFesenko/DebbiSmirnoff/Alla Machutt/miriam-doerr/Mykola Sosiukin
Wolle und Jute statt Kräuselband

„Nur“ praktisch eingewickelt, würden derlei Präsente die Freude am Heiligabend etwas trüben. Doch Umweltgedanke und schöne Präsentation schließen sich nicht aus. „Ein Tannenzweig und eine kleine Weihnachtskugel aus dem eigenen Bestand peppen das Zeitungspapier auf. Ein Reiseutensil in eine Landkarte einzuschlagen, deutet auch noch den Inhalt an“, regt Julia Uherek an. Ebenfalls geeignet für ein zweites Leben als kreative Verpackung sind Seiten aus ausrangierten Büchern oder Comics. Auch die Plattenhülle einer Vinylscheibe kann als Geschenkverpackung für Aufsehen sorgen und landet dann möglicherweise auch noch in einem Bilderrahmen. „Wiederverwendbare Boxen oder Stoff e sind weitere nachhaltige Verpackungsideen, selbst gebackene Plätzchen besondere Geschenkanhän ger, handgemachte und per Hand beschriebene Weihnachtskarten aus selbst bemaltem oder beklebtem Recycling-Papier oder -karton ein individueller Weihnachtsgruß“, zählt Miriam Bätzing, Referentin für Nachhaltigkeit und Klimaschutz von der Berliner Verbraucher Initiative e. V., auf. Sogar das Bedrucken kann in Eigenregie erfolgen. Stichwort: der gute alte Kartoffeldruck. „Angesagt ist auch wieder der Linoldruck“, so Julia Uherek von der Messe Frankfurt über die Gestaltung von Verpackungen, das damit auch zu einem Familienevent werden kann.

Wenn schon die Verpackung ein Geschenk ist

Schaut man sich in den eigenen vier Wänden um, entdeckt man vieles, das Potenzial für ein Zweitleben als Geschenkumhüllung hat: Einmachgläser, Konservendosen, Backpapier, Socken und sogar Klopapierrollen für eine „Bonbonverpackung“. Die Weihnachtsfarbe Grün kann auch mit gekauften Bananenblättern aus dem Asia-Shop aufgegriffen werden. Für die Finalisierung eignen sich Zweige aus dem Garten oder Zimtstangen aus der Küche.

„Furoshiki ist eine alte japanische Kunst, Geschenke mit Stofftüchern zu verpacken“, erzählt Bätzing und weist auf einen Zusatznutzen hin. Nach dem Auspacken könne der Stoff jahrelang wiederverwendet werden. Auch dies trage zu einer besseren Abfallbilanz bei. Ebenso wie der Verzicht auf Plastik-Klebestreifen oder das allseits gegenwärtige Kräuselband. Naturbänder aus Jute, Wolle oder Stoff streifen sind plastikfreie Alternativen.
 
In Japan existiert für die traditionelle Kunst, Geschenke in Stoff zu verpacken, sogar ein eigener Begriff: Furoshiki.
In Japan existiert für die traditionelle Kunst, Geschenke in Stoff zu verpacken, sogar ein eigener Begriff: Furoshiki.
Direkt an Weihnachten kann manches Geschenk-Verpackungsdetail ein weiteres Leben antreten. Der Tannenzweig und die Baumkügelchen werden sogleich in die Tischdekoration integriert, das Einweckglas wird zum Teelicht oder zum Aufbewahrungsort fürs Weihnachtsgebäck. Wurde das Geschenk in ein schönes Geschirrhandtuch eingepackt, kann dies fortan beim Abtrocknen behilflich sein. Ebenso ein getragenes, aber immer noch ansehnliches T-Shirt. Es muss auch nicht nur das kompromisslose Entweder-Oder sein. „Man kann recycelte Materialien auch in neue einarbeiten“, sagt Julia Uherek, die auch bei den Messeausstellern ein Umdenken, etwa in Form von Geschenkbändern aus recycelten PVC-Flaschen, feststellt. Dieses Weihnachten, vermutet sie, werde die umweltbewusste Gestaltung von schönen Geschenkverpackungen, auch wegen der Corona-Pandemie, im Fokus stehen. Zum Weihnachtsfest gehören Weihnachtsgeschichten. „Gestaltet man die Verpackungen ganz individuell für Familie und Freunde, erzählt man mit den recycelten und bewusst ausgesuchten Materialien und der Art der Verpackung auch eine Geschichte“, beschreibt Julia Uherek eine weitere Besonderheit des Trends zu nachhaltigen Geschenkverpackungen für das Weihnachtsfest 2020. Manuela Blisse
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