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Weihnachten genießen

Weihnachtslegende: Ho, Ho, Ho

Darf man Kindern vorgaukeln, dass es den Weihnachtsmann gibt? Ja, sagt der Psychologe Peter Walschburger. Denn: Geschichten über Santa Claus können die frühkindliche Kreativität fördern – und den Blick fürs Wesentliche schärfen

Foto: iStockphoto/VladGans

Sie stehen vor Einkaufszentren, schwingen ihre Glocke in Fußgängerzonen und bei manchen Familien kommen sie sogar am Heiligen Abend in die Wohnung, um Kindern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern: Weihnachtsmänner mit weißen Bärten und roten Mänteln, mit reichlich Samt und hoffentlich prall gefüllten Geschenkesäcken. Ja, der Weihnachtsmann ist eine gleichsam beliebte wie umstrittene Figur. Die einen finden Santa Claus, dessen Erscheinungsbild maßgeblich durch die beliebte Softdrink-Marke Coca-Cola ab den 1930er-Jahren geprägt wurde, schrecklich schön. Andere einfach nur schrecklich, weil der Weihnachtsmann für sie die Kommerzialisierung des Festes in den Vordergrund rückt und eben nicht die frohe Kunde der Geburt Jesu, wie sie von Christen ab dem 24. Dezember zelebriert wird.
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Kleine Kinder lassen sich gerne verzaubern

Für Kinder ist dieser Konflikt nicht nachvollziehbar. Viele von ihnen schreiben Santa Claus in der Adventszeit Briefe. Sie bekommen von den vielen Weihnachtsmännern in den Einkaufszentren und Fußgängerzonen Süßigkeiten zugesteckt und manchmal, da dürfen sie ihm sogar höchstpersönlich ihre Wünsche ins Ohr flüstern.

Doch tut es Kindern überhaupt gut, ihnen die Existenz eines gütigen Großväterchens vorzugaukeln? Darf man Kindern weismachen, dass es so etwas wie einen Weihnachtsmann, der mit Elfen und Rentieren am Nordpol wohnen soll, wirklich gibt?

Professor Peter Walschburger empfiehlt Eltern, sich nicht verrückt zu machen. „Immer wieder kommt die Frage auf, ob es nicht unmoralisch wäre, die Existenz eines Weihnachtsmannes zu fingieren. Mitunter wird sogar ein späterer Vertrauens- und Autoritätsverlust befürchtet.“ Diese Bedenken teilt der renommierte Biopsychologe von der Freien Universität Berlin nicht. Im Gegenteil. „Für die Kleinen kann die Geschichte vom Weihnachtsmann sogar förderlich sein. Kinder bis zu einem Alter von etwa vier Jahren unterscheiden oft noch nicht zwischen Realität und Fiktion; sie betrachten die Welt noch ganz aus ihrer Sicht und lassen sich gerne verzaubern. In ihrer Welt geht es von daher oftmals magisch, mythisch und märchenhaft zu“, erklärt Peter Walschburger.

Später ändert sich das. Dann werden Kinder – etwa zwischen vier und zwölf Jahren – zu kleinen „Besserwissern“ und finden bald heraus, dass es den Weihnachtsmann nicht wirklich gibt. Vor diesem Moment allerdings sollten Eltern keine Angst haben. Walschburger beruhigt: „Für Kinder sind ihre Eltern zunächst allwissende, gottgleiche Übermenschen. Mit der Zeit ändert sich das und Kinder lernen, dass Eltern ganz normale Menschen sind mit eigenen Ansichten, über die man mit ihnen diskutieren kann.“ Und diese Erkenntnis sei völlig normal und unterstützenswert.

Die wahre Bedeutung von Weihnachten erklären

Im Fall des Weihnachtsmannes empfiehlt der Experte, das Gespräch zu suchen, sobald das Kind herausgefunden hat, dass es den gütigen alten Mann mit Rauschebart in Wahrheit gar nicht gibt. „Das ist ein guter Anlass, um über die Hintergründe des Weihnachtsmann-Rituals und über die wahre Bedeutung von Weihnachten als Fest der Liebe zu sprechen“, so Walschburger. Eltern sollten die Möglichkeit nutzen, die Entstehung der Weihnachtsmann-Tradition zu erklären, die auf den Bischof Nikolaus zurückgeht, der sein Geld den Notdürftigen spendete und später zum Heiligen erklärt wurde. „Eine wirklich wunderbare Geschichte“, so Walschburger. Zudem empfiehlt der Experte den Eltern, größere Geschwisterkinder fortan in das Ritual einzubeziehen. „Erfahrungsgemäß helfen die Kinder dann gerne, den Weihnachtszauber für die kleineren Geschwister aufrechtzuerhalten.“

Das ist in Zeiten der Corona-Pandemie umso wichtiger geworden. Denn vieles wird in diesem Jahr wohl ganz anders sein als sonst. So werden Kinder aller Voraussicht nach nicht auf Tuchfühlung mit den Weihnachtsmännern der Einkaufszentren gehen können. Und ihnen nicht ihre Wünsche ins Ohr flüstern. Immerhin: Hausbesuche erscheinen nach aktuellem Stand möglich. Zumindest bereiten die etablierten Weihnachtsmann-Agenturen ihre Mitarbeiter auf die neuen Bedingungen vor. Max Müller
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