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„Arbeit fördert Wertschätzung“

Von der Werkstatt bis zum Ersten Arbeitsmarkt: Für Menschen mit Behinderung gibt es vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten

Wer sich in der Werkstatt von Mosaik bewährt, erhöht die Chancen auf eine Beschäftigung auf dem Ersten Arbeitsmarkt.

„Einer geregelten Arbeit nachzugehen, ist für Menschen sehr wichtig. Das gilt auch für diejenigen, die eine Behinderung haben“, sagt Frank Jeromin vom Mosaik-Unternehmensverbund. „Im Fall von behinderten Menschen vielleicht sogar ein bisschen mehr: Durch Arbeit fällt die Integration in die Gesellschaft leichter. Und sie erfüllt noch weitere Aufgaben: Sie bietet Struktur, sie hat einen wertschöpfenden Charakter und fördert zugleich die Wertschätzung.“ Frank Jeromin weiß das schon lange. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet er bei Mosaik, anfangs als Referent, mittlerweile ist er Geschäftsführer des Unternehmens mit mehr als 2000 – behinderten wie nichtbehinderten – Beschäftigten, einem der größten in der Region.

„Arbeit fördert Wertschätzung“ Image 1


"Manch einem gelingt es, viele Arbeitsschritte zu machen"


Frank Jeromin, Geschäftsführer Mosaik

Mehr als Werkstatt

Mosaik wurde 1965 durch engagierte Ehefrauen von in Berlin stationierten US-Soldaten gegründet. Bis zur Wende fokussierte sich der Verein vor allem auf die Beschäftigung von behinderten Menschen in Werkstätten. 1990 wurde mit dem Inklusionsunternehmen „Mosaik-Services“ eine weitere Sparte aufgebaut, die sich in den vergangenen 30 Jahren zur Erfolgsgeschichte entwickelte: Bis heute wurden 224 Arbeits- und 270 Ausbildungsplätze geschaffen an Orten wie dem Café in der Schwartzschen Villa in Steglitz, dem Café im Jagdschloss Grunewald und bei der Gastronomie im Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Der Geburtstag wurde im Charlottenburger Charlottchen, einem Restaurant mit angegliederter Theaterbühne, gefeiert, in dem einer der ersten Beschäftigten von „Mosaik Services“ gearbeitet hat.
Die Tätigkeiten in den Werkstätten werden auf die Fähigkeiten und Kompetenzen des jeweiligen Mitarbeiters abgestimmt.
Die Tätigkeiten in den Werkstätten werden auf die Fähigkeiten und Kompetenzen des jeweiligen Mitarbeiters abgestimmt.
Die vielfältigen Beschäftigungsmöglichkeiten für behinderte Menschen innerhalb des Mosaik-Unternehmensverbundes zeigen, dass es verschiedene Optionen für Menschen mit Behinderung gibt, beschäftigt zu werden. „Das ist von den fachlichen, aber auch von den sozialen Kompetenzen abhängig“, erklärt Frank Jeromin. „Menschen mit schwerst-mehrfachen Behinderungen starten bei uns in den Fördergruppen, wo sie lernen, ein möglichst eigenständiges Leben zu führen.“

Von dort ist der Übergang in die Werkstätten möglich. „In unseren Werkstätten werden die verschiedensten Dienstleistungen angeboten und Produkte hergestellt, das ist auch abhängig davon, was geordert wird und von wem.“ Das Besondere an den Werkstätten ist, dass jeder Arbeitsplatz individuell an die jeweiligen Handicaps angepasst wird und es eine Beschäftigungsgarantie gibt. Die Beschäftigten werden individuell gefördert und gefordert. „Manch einem gelingt es, viele Arbeitsschritte zu machen. Bei anderen dürfen es nicht mehr als zwei oder drei sein“, gibt Jeromin zu Bedenken. Rechtlich spricht man hierbei von einer arbeitnehmerähnlichen Beschäftigung, die in Form eines Taschengeldes zwischen 100 und 400 Euro honoriert wird.

Mit der Gastronomie fing es bei Mosaik-Services an.
Mit der Gastronomie fing es bei Mosaik-Services an.
Jeromin freut es besonders, wenn die Förderung so fruchtet, dass Beschäftigte aus der Werkstatt in eine Außengruppe wechseln können. „Scheitern ist immer schlimm. Deswegen lassen wir die Menschen nicht unvorbereitet auf den Ersten Arbeitsmarkt, sondern bieten ihnen in dieser Zwischenstufe die Möglichkeit, sich unter realen Bedingungen zu bewähren.“

Begehrte Fachkräfte

Mosaik hat zudem in den vergangenen Jahren viele Beschäftige an sogenannte Inklusionsbetriebe vermittelt. Inklusionsbetriebe funktionieren im Kern auch wie andere Unternehmen, allerdings liegt der Anteil an schwerbehinderten Mitarbeitern bei mindestens 40 Prozent. Mehr als 40 Inklusionsbetriebe gibt es in Berlin, einige werden von Mosaik betreut. Doch Frank Jeromin freut es auch, seine Beschäftigten an andere Unternehmen zu vermitteln.
 
Gemeinsames Arbeiten und Helfen wenn nötig: Das zeichnet den Alltag in den Werkstätten aus. FOTOS: MOSAIK-BERLIN GGMBH (5)
Gemeinsames Arbeiten und Helfen wenn nötig: Das zeichnet den Alltag in den Werkstätten aus. FOTOS: MOSAIK-BERLIN GGMBH (5)
Besonders in Phasen der Hochkonjunktur klopfen Berliner Firmen auch mal bei Mosaik an und fragen nach Fachkräften. „Wir sehen es als unsere Aufgabe an, nicht nur Arbeitsplätze zu schaffen, sondern durch Ausbildungsberufe auch Kompetenzen zu vermitteln.“ In solchen Fällen zeigt es, dass das System fruchtet. „Es fällt dem einen oder anderen Kollegen durchaus schwer, einen Leistungsträger zu verlieren. Wir freuen uns dann aber auch sehr, schließlich ist das Ziel erreicht: Die gelungene Inklusion in Regelbetriebe.“ Max Müller
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