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Themenwelten Berliner Morgenpost
Extra: DEGUT

Ausgezeichnete Gründer

Am Vorabend der beiden deGUT-Messetage wird der KfW-Award Gründen verliehen. Die Landessieger konnten die Jury mit ihren innovativen Geschäftsideen überzeugen. Zwei Beispiele

Landessieger Berlin: Das Chemie-Start-up Belyntic ist eine Ausgründung dreier Kommilitonen der Humboldt-Universität zu Berlin (HU). FOTO: UNBEKANNT / UNBEKANNT

Das traditionsreiche Karstadt-Gebäude am Neuköllner Hermannplatz wird in den nächsten Jahren umgebaut und massiv aufgestockt. Das Gebäude ragt dann viel höher als zuvor in den Himmel, doch manches ist, wie es zuvor war, etwa die Natursteinfassade. Sie wird abgetragen und später wieder angebracht. Mit dieser Methode erhält das Gebäude die alte Hülle als neue zurück.

Verantwortlich dafür ist ein noch junges Start-up mit Standorten in Berlin und Stuttgart. Die Concular UG revolutioniert die Baubranche, macht den größten Klimakiller umweltfreundlicher. Das von Dominik Campanella gegründete Unternehmen hat eine Software entwickelt, die es ermöglicht, ausrangierte Baumaterialien aus Rückbauten in Neubauten wiederzuverwenden. Die Zweitverwertung spart Tonnen an Co2 ein. Kein Wunder, dass diese zukunftsweisende, nachhaltige Geschäftsidee ausgezeichnet wird: Am 28. Oktober nimmt Gründer Campanella den KfW-Award Gründen als Landessieger Baden-Württemberg entgegen.

Wie jedes Jahr im Rahmen der zweitägigen Gründer- und Unternehmermesse deGUT, die am 29. und 30. Oktober in der Treptower Arena stattfindet, wird am Abend zuvor, diesmal in der Bar jeder Vernunft in der Schaperstraße, der renommierte Gründerpreis der KfW Bankengruppe überreicht. Pro Bundesland wird ein herausragendes Start-up als Landessieger ausgezeichnet. Zudem wird aus diesen 16 jungen Firmen ein Bundessieger gekürt. Außerdem werden diverse Sonderpreise wie etwa für Social Entrepreneurship, also soziales Unternehmertum, verliehen.

"Diese Methode ist weitaus effizienter als alles, was bisher auf dem Markt ist."

Dominik Sarma, Co-Gründer des Start-ups Belyntic

Für den bereits seit 1998 existierenden Gründerwettbewerb konnten sich Start-ups, die frühestens 2016 gegründet wurden, im Frühjahr und Sommer dieses Jahres eigenständig bewerben. Eine Jury aus erfahrenen Vertretern aus Wirtschaft und Politik hat die Auswahl getroffen. Sie vergibt Preisgelder von insgesamt 35.000 Euro. Kriterien für die Auszeichnung sind der Umweltaspekt und die soziale Verantwortung der Gründungsidee. Ebenfalls fließt ein, ob Arbeitsplätze geschaffen wurden. Vor allem aber werden die Geschäftsideen nach ihrem Innovationsgrad bewertet.

Auch das Start-up Belyntic hat eine solche hervorgebracht. Sie ermöglicht, dass Peptidmedikamente schneller und besser als bisher zur Verfügung gestellt werden können.

Innovative Methode bekämpft Zivilisationskrankheiten

Der Berliner Landessieger ist eine Ausgründung aus der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) im Frühjahr 2018. Die drei Kommilitonen Dominik Sarma, Robert Zitterbart und Oliver Reimann beschäftigten sich aber schon länger mit der Frage, wie man Medikamentenhersteller bei der Fabrikation von Arzneimitteln mit innovativen Verfahren unterstützen kann. Die drei Chemiker haben eine chemische Lösung gefunden, sie haben, so Mitgründer Dominik Sarma, ein „Zaubermolekül“ entwickelt.

Der Unternehmer erklärt den Ansatz so: Bei der Herstellung eines Peptides – dabei handelt es sich um eine Arte kleines Protein – fallen Verunreinigungen an. Die nötige Reinigung ist derzeit noch aufwendig. Denn sie findet in komplexen Maschinen satt, immer nur ein Peptid nach dem anderen kann diesen Prozess durchlaufen. Die Erfindung der Berliner ermöglicht die Reinigung mehrerer Peptide zur gleichen Zeit, da sie auf mehrere Töpfe verteilt sind. Einfach formuliert fischt das Molekül aus jedem Topf das verunreinigte Peptid heraus, reinigt es und gibt es wieder frei. „Diese Methode ist weitaus effizienter als alles, was bisher auf dem Markt ist“, sagt Sarma.

Mehrere große Kunden aus der Pharmabranche konnten die Berliner mit ihrer neuartigen Methode bereits gewinnen. Sie tragen damit zur Bekämpfung von Zivilisationskrankheiten wie Krebs, Alzheimer oder Diabetes bei. Jetzt lautet das Ziel des Start-ups mit derzeit fünf Mitarbeitern die Expansion in außereuropäische Märkte. Eine Finanzierungsrunde steht bevor. Außerdem befindet sich Belyntic im Aufbau eines zweiten Standbeines: Die Gründer, die mit Andreas Regnery mittlerweile den vierten Geschäftsführer an Bord haben, entwickeln seit dem vergangenen Jahr auch eigene Wirkstoffe. Sie könnten, sofern alle nötigen Phasen abgeschlossen sind, als Impfstoffe gegen Corona eingesetzt werden.

Doch auch das eingangs bereits vorgestellte Unternehmen Concular verbessert das Leben der Menschen, wenn auch nur unmittelbar. Doch Concular trägt dazu bei, dass der Co2-Ausstoß vermindert wird. Das Start-up hat sich nicht ohne Grund den Bausektor dafür herausgesucht. Die Branche erzeugt 40 Prozent der globalen Co2-Emissionen sowie 60 Prozent des Abfalls. „Die Materialproduktion ist ressourcen- und energieintensiv, der Ursprung der Materialien liegt oft in Ländern mit prekären Arbeitsbedingungen“, sagt Campanella. Das Geschäftsmodell seines Unternehmens: Anstatt ausgediente Materialien nach Ende ihrer Lebenszeit, und die ist insbesondere bei Innenausbauten schon nach rund zehn Jahren erreicht, auf der Deponie zu entsorgen, werden sie anderweitig eingesetzt. Einen entsprechenden Marktplatz für private Bauherren hatte der Gründer schon vor neun Jahren mit dem Start-up Restado initiiert. Seit Anfang 2020 hat er die Idee mit Concular mit einer softwarebasierten Lösung der Materialienerfassung in Bestandsgebäuden professionalisiert und auf Projektentwickler und die öffentliche Hand als Kunden ausgeweitet. Damit ist Concular – wie auch Belyntic und andere – ein heißer Anwärter auf den KfW-Award 2021. THERESIA BALDUS
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