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Patisserie-Chefin Claudia Ruhmland im Hotel Orania Berlin

Der kostspielige Erwerb des Meistertitels im Handwerk ist eine Investition in die Zukunft. Eine Konditormeisterin berichtet

Meisterin: Claudia Ruhmland leitet die Patisserie eines Hotels. FOTO: CÉSAR TACCARI

Die Leidenschaft für ihr Handwerk, die sie seit der Kindheit begleitet, war auch der Grund, den höchsten Berufsabschluss anzustreben, den es im Handwerk gibt – den Handwerksmeister. Was sie sich davon verspricht? „Bessere Jobs und finanzielle Unabhängigkeit“, sagt sie. Doch das Berufsziel kostet Geld, die Qualifizierung zum Meister ist für einige Gewerke recht kostspielig.

"Der Meistertitel ist dem Bachelorabschluss gleichgesetzt.“

Anna Leonzi, Abteilungsleiterin, Handwerkskammer Berlin

„Die Weiterbildung kann zwischen 5000 und 9000 Euro kosten“, sagt Anna Leonzi, Abteilungsleiterin Bildungsstätten bei der Handwerkskammer Berlin. Konditoren oder Zahntechniker zum Beispiel, die zum Üben der Techniken und für die Erstellung ihres Meisterstücks teure Materialien benötigten, hätten hohe Kosten. Bei anderen Gewerken, wie zum Beispiel bei Elektrikern, seien die Materialkosten weniger hoch. Die Fachkräfte erhalten zur Finanzierung ihrer Fortbildung zwar das Meister-Bafög, seit 2016 als Aufstiegs-Bafög bezeichnet, aber anfallende Materialkosten müssen sie aus eigener Tasche bezahlen. „Aufstiegs-Bafög ist eine gute Sache“, sagt Anna Leonzi. „Nur rund 36 Prozent muss man nach bestandener Prüfung zurückzahlen.“ Sie wünscht sich jedoch sehr, dass auch die Materialkosten beim Bafög-Satz berücksichtigt würden.

Meisterstück: das Hotelbuffet mit traditionellem Baumkuchen, dem Symbol der Konditoren. FOTO: PRIVAT
Meisterstück: das Hotelbuffet mit traditionellem Baumkuchen, dem Symbol der Konditoren. FOTO: PRIVAT
Torten, Petit Fours, Desserts wie eine Rosmarin-Crèmebrûlée und herzhaftes Fingerfood, zum Beispiel Garnelen in Tempura mit Wasabi-Espuma, schmückten das Hotelbuffet, das Claudia Ruhmland während ihrer dreieinhalb Tage dauernden praktischen Meisterprüfung kreiert hat. Ihr Meisterschaustück: Ein Abwaschbecken mit drei Töpfen, in dem das Wasser überläuft, gegossen aus Zucker und Schokolade. Backzutaten, Lebensmittel, Geschirr, Tischdecken, Bestecke hat sie alles aus eigener Tasche bezahlt. Auch das hochwertige Meisterdokumentationsbuch „Kitchenparty“ – Pflichtteil der Prüfung – mit allen Rezepturen, Kalkulationen und Allergenliste zahlte sie selbst. Den Bildband hat sie nach dem Unterricht in ihrer Freizeit geschrieben, gestaltet und produziert. „Man braucht Durchhaltevermögen und einen unermüdlichen Lernwillen“, sagt sie. Auch Nervenstärke, denn es gebe durchaus Tage, an denen es nicht so gut laufe.

Acht lange Monate

Ihren Meister hat sie in Vollzeit gemacht, acht Monate lang hat sie sich mit Fachpraxis, Fachtheorie, wirtschaftlichen und rechtlichen Grundlagen sowie Berufs- und Arbeitspädagogik auseinandergesetzt. Andere Gesellen wählen die nebenberufliche Weiterbildung mit Abend- und Wochenendkursen.

„Der Meistertitel ist dem Bachelorabschluss gleichgesetzt“, sagt Anna Leonzi. „Meister und Meisterinnen können in Handwerksbetrieben eine verantwortungsvollere Position einnehmen, können Nachwuchskräfte ausbilden und sich selbstständig machen.“ Zudem verdienten sie als Angestellte rund 15 bis 20 Prozent mehr als Gesellen.

Claudia Ruhmland leitet nun mit ihren 29 Jahren die Patisserie im Hotel Orania.Berlin und ist Chefin über das Süße. Die achtmonatige Weiterbildung sieht sie positiv. „Durch das erworbene Fachwissen habe ich mich auch charakterlich verändert“, sagt sie. „Ich habe ein selbstbewussteres Auftreten erlangt.“ Für die spätere Zukunft könnte sie sich vorstellen, sich selbstständig zu machen – mit einer eigenen Zuckerbäckerei.
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