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Themenwelten Berliner Morgenpost
DEGUT BERLIN 2020

Gründen? Gerade jetzt!

Bei den 36. Gründer- und Unternehmertagen bekommen Selbstständige neue Impulse für ihr Geschäftsvorhaben

Während sich die Besucher der deGUT 2019 dicht drängen konnten, sorgt in diesem Jahr ein Hygienekonzept für etwas mehr Abstand. FOTO: SVEA PIETSCHMANN

Die Corona-Pandemie stellt auch Startups vor große Herausforderungen. Der aktuelle Deutsche Startup Monitor bescheinigt der Szene in Deutschland zwar eine positive Grundstimmung, dennoch gaben 75 Prozent der Gründer an, sich in ihrer Geschäftstätigkeit beeinträchtigt zu sehen.

Die Deutschen Gründer- und Unternehmertage (deGUT) möchten gerade in diesen Zeiten Gründende unterstützen. Am Freitag, den 9., und Samstag, den 10. Oktober 2020 öffnet das Netzwerktreffen in der Arena Berlin daher jeweils von 10 bis 18 Uhr seine Pforten. Veranstalter sind die Investitionsbank Berlin (IBB) und die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB). Besucher haben die Gelegenheit, sich über Finanzierungsmöglichkeiten zu informieren und sich in einer Reihe von Vorträgen inspirieren zu lassen.

Persönlicher Austausch ist in schwierigen Zeiten essenziell

Jürgen Allerkamp, Vorsitzender des Vorstands der Investitionsbank Berlin (IBB), begrüßt, dass die deGUT trotz Pandemie mit einem angepassten Konzept stattfindet: „Gerade weil die Zeiten aufgrund der Corona-Pandemie auch für Gründerinnen und Gründer sowie Unternehmen im Moment schwierig sind, freue ich mich besonders, dass es gelungen ist, die diesjährige deGUT nicht rein virtuell, sondern als Präsenzveranstaltung durchzuführen“, sagt er. „Das nun realisierte Konzept ermöglicht die so wichtige persönliche Begegnung zwischen Unternehmen, Start-ups und Finanzierern.“

"Je besser informiert sie den Schritt in die Selbstständigkeit gehen, umso höher sind ihre Erfolgschancen im Wettbewerb"

Jörg Steinbach, Wirtschaftsminister des Landes Brandenburg

Wie wichtig diese Begegnungen für Gründungswillige sind, unterstreicht Jörg Steinbach, Wirtschaftsminister des Landes Brandenburg: „Je besser informiert sie den Schritt in die Selbstständigkeit gehen, umso höher sind ihre Erfolgschancen im Wettbewerb. Und das ist es doch, worauf es ankommt: Dass die Gründerinnen und Gründer von heute diejenigen sind, die morgen für zukunftsfähige Arbeitsplätze sorgen und unsere Wirtschaft voranbringen.“
 
Inspiration aus erster Hand: Keynote-Speaker berichten auf der deGUT von ihren Erfahrungen als Unternehmer. FOTO: SVEA PIETSCHMANN
Inspiration aus erster Hand: Keynote-Speaker berichten auf der deGUT von ihren Erfahrungen als Unternehmer. FOTO: SVEA PIETSCHMANN
Viel lernen können die Besucher in den rund 80 Workshops und Vorträgen verschiedener Keynote-Speaker. Inspirierend ist die Erfolgsgeschichte von Nora Baum. Die Gründerin der Schnittmuster-App Patterina zeigt, wie sich altes Handwerk und Augmented Reality verbinden lassen. Weil die Mutter von zwei Kindern und promovierte Betriebswirtschaftlerin regelmäßig über das mühselige und zeitaufwendige Übertragen von Schnittmustern auf den Stoff fluchte, suchte sie nach einer Möglichkeit, die Linien vom Virtuellen ins Reale zu übertragen.

Gemeinsam mit Markus Uhlig, damals Doktorand am Lehrstuhl für Softwaresystemtechnik an der Universität Cottbus, bewarb sich die frühere Unternehmensberaterin erfolgreich für das Exist-Stipendium, das Existenzgründungen aus der Wissenschaft fördert. Sie brachten nach mehreren Anpassungen erfolgreich die App an den Start – und dann kam Corona. Die Pandemie verschaffte den Gründern einerseits mehr Nutzer, weil die Menschen mehr Zeit zu Hause verbrachten und sich der Handarbeit widmeten. Andererseits zeigten sich Geldgeber zurückhaltender. Wie Nora Baum mit diesen Herausforderungen umgeht, schildert sie am Sonnabend um 14 Uhr in ihrem Vortrag.

Dass ein Unternehmen zu gründen nicht automatisch eine Erfolgsstory sein muss, zeigen die Erfahrungen von Oliver Götze, Gründer von New Swedish Design. Bei der Veranstaltung „Gescheiter[t] – von Misserfolgen lernen“ erzählt er von den Rückschlägen, Niederlagen und Fehlern, die er machen musste, bevor sein Unternehmen profitabel wurde.

In Workshops lernen junge Gründer zum Beispiel, ihre Idee überzeugend zu präsentieren. FOTO: DAVID AUSSERHOFER
In Workshops lernen junge Gründer zum Beispiel, ihre Idee überzeugend zu präsentieren. FOTO: DAVID AUSSERHOFER
Wer eine gute Idee für eine Unternehmensgründung hat, muss sie schnell und präzise präsentieren können. Wie das geht, können die Besucher der deGUT beim Speeddating mit Business Angels beobachten. In genau fünf Minuten bringen die Teilnehmenden ihre Idee auf den Punkt. Wer den Pitch gewinnt, profitiert von der Erfahrung und dem Netzwerk der Investoren, die im Business Angels Club Berlin-Brandenburg e. V. (BACB) organisiert sind. Nadine Matthias, Projektleiterin der deGUT des Landes Berlin, hebt die Bedeutung des Angebots hervor: „In dieser Zeit, mit den besonderen Herausforderungen für die Wirtschaft, ist es für die Start-ups wertvoll, die Chance zu haben, live vor den erfahrenen Business Angels ihre Ideen zu pitchen und von dem Know-how, den Erfahrungen und den wertvollen Kontakten zu profitieren.“

Fester Bestandteil ist außerdem der Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW), der mit kostenfreien Seminaren und Beratungen Unternehmen in der Gründungsphase unterstützt. Am Freitag, 9. Oktober, um 17 Uhr informiert der BPW über den Ablauf. Zudem gibt es die Möglichkeit, mit Gleichgesinnten und erfolgreichen Gründern ins Gespräch zu kommen.

Die besten Konzepte werden mit mehr als 50.000 Euro Preisgeld ausgezeichnet. Cordula Schmude, deGUT-Repräsentantin und Geschäftsführerin der Störk GmbH aus Nauen, zeigt, dass auch eine Unternehmensnachfolge eine Chance für angehende Selbstständige sein kann. Die Betriebswirtschaftlerin gründete ihre eigene Handelsgesellschaft für Produkte für den Garten- und Landschaftsbau. Sie arbeitete unter anderem als Beraterin für den Groß- und Einzelhändler Paul Störk. Als er seine Firma abgeben wollte, entschloss sich Cordula Schmude, das Unternehmen zu kaufen. Inzwischen beschäftigt die Störk GmbH 50 Menschen, darunter auch mehrere Auszubildende. Am Freitag, den 9. Oktober, um 15.30 Uhr wird Cordula Schmude auf der deGUT von ihren Erfahrungen berichten. Judith Jenner

Deutsche Gründer- und Unternehmertage deGUT

Wann: 9. und 10. Oktober 2020 10.00 bis 18.00 Uhr
Wo: Arena Berlin (Treptow) Eichenstr. 4, 12435 Berlin
Eintritt: 7,50 Euro / erm. 3,75 Euro (jeweils Halbtagestickets, nur online erhältlich)
Die Besucherzahl ist in diesem Jahr begrenzt.

Weitere Infos unter:
www.degut.de

Klicks für Bäume

Im Dezember 2009 gründete Christian Kroll die Suchmaschine Ecosia. Mit einem Teil der Gewinne unterstützt das Unternehmen Aufforstungsprojekte

Gründen? Gerade jetzt! Image 1
Wie soziales Unternehmertum funktioniert, erklärt Christian Kroll am Freitag, 9. Oktober, um 14 Uhr auf der deGUT. Die Berliner Morgenpost sprach vorab mit Génica Schäfgen, Deutschlandchefin von Ecosia.

Berliner Morgenpost: Wie würden Sie die Geschäftsidee von Ecosia erklären?

Génica Schäfgen: Ecosia ist eine Suchmaschine, ähnlich wie Google. Genau wie Google verdienen wir auch Geld mit Klicks auf unsere Werbeanzeigen. Wir nutzen das Geld, das wir damit einnehmen, aber nicht, um Aktionäre auszubezahlen, sondern um Bäume zu pflanzen, überwiegend im globalen Süden. Bisher haben wir mehr als 100 Millionen Pflanzungen finanziert.

In welchem Verhältnis stehen eingenommenes Geld und Unterstützung der Umwelt?

Unser Unternehmen ist eigentlich von Beginn an profitabel. Das liegt daran, dass unser Gründer Christian Kroll gesehen hat, wie viel Geld das Geschäft mit Anzeigen in Suchmaschinen bringt, und entschieden hat, dieses Geld für einen guten Zweck zu verwenden. Nach Abzug unserer Kosten für Büro, Gehälter und Marketing bleiben durchschnittlich etwa 50 Prozent Gewinn. Diese fließen zu 80 Prozent in Aufforstungsprojekte. 20 Prozent gehen in einen Gemeinwohlfonds, um wirtschaftliche Krisen wie jetzt durch Corona zu meistern oder auch in unsere Solaranlagen zu investieren, damit wir unseren Strom nachhaltig produzieren können.

Inwiefern hatte Corona einen Einfluss auf Ihre Geschäftsentwicklung?

In der Lockdown-Phase konnten wir einen Anstieg der Suchaktivitäten sehen. Gleichzeitig kommt aber ein Großteil der Werbeanzeigen aus der Tourismusbranche, die uns weggebrochen sind. Trotzdem hat es uns lange nicht so hart getroffen wie andere Unternehmen. Wir wurden nicht gezwungen, jemanden in Kurzarbeit zu schicken oder Stellen zu streichen. Wir konnten sogar weiter einstellen, weil wir gesehen haben, dass wir uns von diesem Einbruch wieder erholen werden. Außerdem konnten wir auf unseren Sicherheitsfonds zurückgreifen, der dafür da ist, unser Unternehmen und unsere Projekte zu unterstützen.

Mit welchen Partnern arbeiten Sie zusammen?

Wir nutzen die Technologie von Microsoft Bing, da wir uns entschieden haben, keine eigene Technologie aufzubauen, sondern die Ressourcen lieber in unsere Aufforstungsprojekte zu investieren. Damit die Partnerschaft zustande kam, musste Christian Kroll ganz schön Klinken putzen. Das ist es auch, was er anderen Gründern mitgeben möchte: nicht aufzugeben und dranzubleiben, wenn man wirklich von etwas überzeugt ist. Anfangs gab es Testläufe und begrenzte Verträge, aber mittlerweile sieht uns Microsoft sehr wohlwollend und präsentiert uns gerne als Vorzeigepartner. Wenn es um Themen wie Datenschutz geht, haben wir zunehmenden Einfluss, zumindest bei unserem Produkt. Das ist durch Wachstum möglich gewesen.

Ecosia gibt es seit fast sechs Jahren. Fühlt es sich trotzdem noch nach Start-up an?

Wir sind in kurzer Zeit von 30 auf 80 Mitarbeiter gewachsen. Dadurch merken wir, dass wir Strukturen schaffen müssen, um effizient und agil zu bleiben, ohne große Hierarchien reinzubringen. Wir versuchen, den Start-up-Gedanken einerseits zu halten, aber gleichzeitig auch Effizienz in einem Unternehmen zu schaffen.

An welchen Ideen arbeiten Sie gerade?

Um in Zukunft auch Angebote im Internet hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit bewerten zu können, haben wir einen Datensatz erarbeitet, der dies ermöglicht. Ein Unternehmen, das nachhaltige Produkte produziert, wird entsprechend gekennzeichnet. Aber auch andersherum, wenn ein Unternehmen in fossile Brennstoffe investiert. Auf diese Weise möchten wir Kaufentscheidungen transparenter machen.

Was würden Sie anderen Social Entrepreneuren raten?

Man sollte sich meiner Ansicht nach möglichst unabhängig machen von Fremdfinanzierungen, wie Spenden. Wir sind nun einmal in einem kapitalistischen System. Von daher rate ich: Nutzt das System, um Gutes zu tun. Was Ecosia gemacht hat, ist ja ein Produkt zu wählen, das jeder Mensch braucht. Wir haben nichts Neues erfunden. Das haben wir als Mittel zum Zweck gemacht, um dem Planeten etwas zurückzugeben. Dadurch hat Ecosia ein bisschen das System gehackt. Denn ohne Skalierbarkeit lässt sich meiner Ansicht nach keine Disruption schaffen. Judith Jenner
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