Anzeige
Themenwelten Berliner Morgenpost
Inklusionspreis Berlin 2019

Berliner LAGeSo berät zum Thema Inklusion

Agentur für Arbeit und LAGeSo wollen besser über das Thema Inklusion informieren und so die Chancen von Menschen mit Handicap auf dem Arbeitsmarkt verbessern

Franz Allert, Präsident des Landesamtes für Gesundheit und Soziales Berlin (LAGeSo) FOTO: LAGESO BERLIN

Jörn Käsebier 

Rund 2600 Unternehmen in Berlin setzen Inklusion um und beschäftigen Menschen mit Behinderung. Damit zeigen sie soziales Engagement und erfüllen die gesetzliche Vorgabe, ab 20 Mitarbeitern fünf Prozent der Stellen an Menschen mit Behinderung zu vergeben. Eigentlich sind dazu 7170 Betriebe verpflichtet. Doch die Mehrheit zahlt lieber eine Ausgleichsabgabe.

Das Landesamt für Gesundheit und Soziales möchte das ändern. „Den Unternehmen fehlen Informationen darüber, wie gut Menschen mit Handicap beschäftigt werden können“, sagt LAGeSo-Präsident Franz Allert. So hielten sich hartnäckig Vorurteile, wie dass Menschen mit Behinderung häufiger krank wären als andere Beschäftigte. „Dabei hat sich längst gezeigt, dass es bei den Fehlzeiten keine signifikanten Unterschiede gibt“, so Allert.

Auch beim Thema Kündigung sieht er Aufklärungsbedarf. Denn es sei zu wenig bekannt, dass der besondere Kündigungsschutz erst nach der Probezeit greife. Und für diese ist der Aufwand für Arbeitgeber gering, bekommen sie doch finanzielle Unterstützung. „Bei einer Probebeschäftigung übernehmen wir für drei Monate die kompletten Lohnkosten“, sagt Johannes Pfeiffer, Geschäftsführer bei der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Agentur für Arbeit.

Zahlreiche Zuschüsse
Johannes Pfeiffer, Geschäftsführer bei der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Agentur für Arbeit FOTO: BUNDESARBEITSAGENTUR
Johannes Pfeiffer, Geschäftsführer bei der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Agentur für Arbeit FOTO: BUNDESARBEITSAGENTUR
Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an Zuschüssen, die Unternehmen beantragen können. Darunter fällt zum Beispiel die technische Ausstattung eines Arbeitsplatzes, etwa für einen Spezialmonitor oder einen höhenverstellbaren Schreibtisch, aber auch für den Abbau von Barrieren im Betrieb. „Die Bandbreite an finanzieller Unterstützung ist groß“, sagt Pfeiffer.

Die Mittel dazu kommen zum Beispiel aus der Ausgleichsabgabe oder aus Förderprogrammen. „Durch das bundesweite Projekt ,Alle im Betrieb‘ konnten wir seit 2016 für 120 Beschäftigungsverhältnisse sorgen. Für 55 weitere reichen die Fördermittel noch“, so Allert.

Es geht aber bei Weitem nicht nur darum, arbeitslose Menschen mit Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt zu bringen. Die meisten Gehandicapten würden nicht mit ihrer Behinderung geboren, sondern erwerben sie infolge eines Unfalls oder einer Krankheit, betont Allert, der das Landesamt mit Unterbrechung seit 2003 leitet: „Unser Engagement gilt daher auch dem Erhalt von Arbeitsplätzen.“

Da gilt es, bei den Arbeitgebern Überzeugungsarbeit zu leisten. LAGeSo und Agentur für Arbeit sowie Jobcenter wollen daher die Chancen der Inklusion stärker betonen. „Menschen mit Behinderung bereichern Unternehmen, etwa dadurch, dass sie sich sehr mit ihrem Arbeitgeber identifizieren“, sagt Allert. Das zeigten Studien. Wenn es einmal gelingt, ein Unternehmen von den Vorteilen der Inklusion zu überzeugen, ist der größte Schritt getan. „Wer einmal einen Schwerbehinderten beschäftigt, wird auch weiter Menschen mit Handicap einstellen“, meint Pfeiffer.

„Den Unternehmen fehlen Informationen darüber, wie gut Menschen mit Handicap beschäftigt werden können“

Franz Allert, LAGeSo-Präsident

Positiv stimmt Allert, dass 38 Berliner Betriebe als Inklusionsbetriebe anerkannt sind, also einen Anteil behinderter Beschäftigter von 30 bis 50 Prozent haben. „Da sind wir in Deutschland mit an der Spitze“, so der LAGeSo-Präsident.

Vernetzung verbessern

Künftig wollen die Agentur für Arbeit und das LAGeSo ihr Beratungsangebot verbessern und bürokratische Hürden abbauen, etwa durch das Bündeln von Angeboten. So hat die Agentur für Arbeit den Arbeitgeberservice um das Kompetenzteam Reha erweitert. „Auf diese Weise können wir kompakt beraten“, begründet Pfeiffer diesen Schritt. Außerdem ist geplant, sich stärker mit Verbänden, Industrie- und Handelskammer sowie der Handwerkskammer zu vernetzen.

Dabei soll auch das Thema Ausbildung eine wichtige Rolle spielen. „Die Schulwelt wird inklusiver. Da erwarten Schüler mit Handicap zu Recht, dass darauf eine inklusive Arbeitswelt folgt“, meint Pfeiffer. Oftmals kommt es jedoch an dieser Stelle zu einem Bruch. „Um das zu verhindern, wollen wir genau an diesem Übergang mit unserer Beratung ansetzen“, ergänzt Allert.

Arbeitslosigkeit rückläufig – Beratungsangebot

In Berlin wurden im Februar 7.693 arbeitslose schwerbehinderte Menschen registriert. Das waren 222 weniger als noch im Januar. Im Vergleich zum Februar 2018 sind dies 257 weniger. Das entspricht einem Rückgang von 3,2 Prozent. Diese positive Entwicklung folgt der auf dem Arbeitsmarkt für nicht schwerbehinderte Menschen. Dort fiel der Rückgang mit 7,4 Prozent allerdings deutlich stärker aus.

Unternehmen und Menschen mit Handicap, die mehr über die Förderungsmöglichkeiten erfahren möchten, erhalten dazu Informationen auf den Internetseiten der Agentur für Arbeit und des Landesamtes für Gesundheit und Soziales:
www.arbeitsagentur.de/unternehmen/finanziell/foerderung-menschen-mit-behinderungen
www.berlin.de/lageso
Weitere Artikel