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Themenwelten Berliner Morgenpost
Extra: DEGUT

Viel Gründergeist unter einem Dach

Bereits zum 37. Mal heißt es in den kommenden Tagen „Willkommen zur deGUT, Deutschlands größter Gründermesse“. Es gibt Bewährtes rund um die Themen Existenzgründung und Unternehmensaufbau – aber auch spannende Neuerungen

Start-up-Hauptstadt Berlin: Am 29. und 30 Oktober findet in der Arena in Treptow wieder Deutschlands größte Gründer- und Unternehmermesse deGUT statt. FOTO: SVEA PIETSCHMANN / SVEA PIETSCHMANN

Es klingt, als erzähle Thomas Ebner von einem Traum: Er spaziert im Film „Der Herr der Ringe“ munter auf dem Schicksalsberg herum und wartet, bis Frodo und Sam ebenfalls oben angekommen sind. Ebners unglaubliche Geschichte hat sich aber nicht im Traum zugetragen. Sie soll sich in wenigen Jahren so auf den Kinoleinwänden abspielen: Der Zuschauer kann sich mittels einer VR-Brille frei in Filmszenen bewegen und um die Darsteller herumspazieren.

Damit das Kino zum Erlebnispark, der Film begehbar wird, arbeitet Thomas Ebner täglich viele Stunden. Er ist der Chief Technology Officer (CTO) des Start-ups Volucap, seit 2018 in Potsdam Babelsberg beheimatet. Am morgigen Freitag ist Ebner ausnahmsweise nicht im volumetrischen Studio, sondern steht, ganz in echt, als Keynote-Sprecher am Rednerpult der bundesweit größten Gründer- und Unternehmermesse (deGUT). Er erzählt, wie Augmented Reality und Virtual Reality nicht nur die Art und Weise, wie wir Filme wahrnehmen, verändern, sondern auch, wie sie produziert werden. Thomas Ebner beschreibt, wie ein kleines Team aus Potsdam heraus die Filmwelt verändert. Und nicht nur diese. Die Technologie der Brandenburger kann auch in der Medizintechnik, der Automobil- oder Modeindustrie zum Einsatz kommen. Um nur einige Branchen zu nennen.

"Wir sind stolz, dass erstmalig in diesem Jahr auch geförderte Absolventen des Berliner Startup-Stipendiums auf einer eigenen Bühne pitchen und ihre Produkte und Dienstleistungen präsentieren."

Ramona Pop, Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe

Zwei Tage lang, am 29. und 30. Oktober, jeweils von 10 bis 18 Uhr, findet Deutschlands größte Gründermesse in der Arena in Berlin-Treptow statt. Und zur 37. Ausgabe zeigt sich die deGUT in neuem Gewand. Aus den „Gründer- und Unternehmertagen“ wurde die inklusive „Messe zum Gründen und Unternehmen“. Der Fokus liegt mehr denn je auf Diversität. Dies drückt sich auch im neuen Logo und neuen visuellen Auftritt aus: Starke Farben und Formen sollen noch deutlicher zeigen, dass Vielfalt und Mut das Unternehmertum in Deutschland ausmachen.
Das Programm der diesjährigen deGUT umfasst mehr als 100 Einzelveranstaltungen in der Arena Berlin in Treptow. FOTO: DAVID AUSSERHOFER
Das Programm der diesjährigen deGUT umfasst mehr als 100 Einzelveranstaltungen in der Arena Berlin in Treptow. FOTO: DAVID AUSSERHOFER
Ramona Pop, Berliner Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe: „Nach den coronabedingten Konjunktureinbrüchen ist die Berliner Wirtschaft wieder auf Wachstum eingestellt. Die optimistische Stimmung zeigt sich auch an der Zahl der Unternehmensgründungen, die im ersten Halbjahr 2021 mit 20.700 neuen Unternehmen bereits über dem Vorkrisenniveau 2019 und damit erneut bundesweit an der Spitze lag. Auf der deGUT finden Gründerinnen und Gründer alle Unterstützungsmöglichkeiten und Ansprechstellen in der Region an zwei Tagen unter einem Dach. Wir sind stolz, dass erstmalig in diesem Jahr auch geförderte Absolventen des Berliner Startup-Stipendiums auf einer eigenen Bühne pitchen und ihre Produkte und Dienstleistungen präsentieren.“

Im Kern bleibt sich die deGUT, veranstaltet von der Investitionsbank Berlin (IBB) und der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB), aber selbstverständlich treu: Sie ist ein Ort, an dem Familienunternehmen auf Start-ups treffen, Technologie auf Handwerk und Neustart auf Nachfolge. Wie schon im vergangenen Jahr öffnet die Gründermesse trotz Corona die Türen, daher also wieder mit einem entsprechenden Hygienekonzept. Tickets müssen wegen der Nachverfolgbarkeit vorher online gebucht werden.

Erfolgreiche Gründer erzählen ihre Geschichte und geben Rat

Die deGUT besticht durch ihre große Fülle an Informationen und das breite Spektrum. Mehr als 60 Referenten und noch mehr Aussteller warten auf ein interessiertes Publikum. Darunter sind Beratungsgesellschaften, Kreditinstitute und andere Finanzierer, Wirtschaftsförderungsgesellschaften sowie Verlage, Softwareentwickler und mehr.
Publikumsfragen ausdrücklich erwünscht: Die Workshops auf der deGUT geben praxisnahe Einblicke. FOTO: DAVID_AUSSERHOFER
Publikumsfragen ausdrücklich erwünscht: Die Workshops auf der deGUT geben praxisnahe Einblicke. FOTO: DAVID_AUSSERHOFER
Zudem können sich die Besucher aus mehr als 100 Einzelveranstaltungen, Seminaren und Workshops die Themen heraussuchen, die sie am meisten interessieren und zu ihrer aktuellen Situation passen. Im Rahmen des Beraterforums stehen Experten und Coaches ferner für Einzelgespräche zur Verfügung. Eine Voranmeldung ist dafür nicht erforderlich. Eventuell muss man ein bisschen anstehen.

Die gut 100 unterschiedlichen Programmpunkte, teilweise in englischer Sprache, reichen von A wie Analyse bis Z wie Zielgruppe. So spricht etwa Jörn Klitzing von der IHK Ostbrandenburg über „Gründen im Nebenerwerb“: Ob, Studium, Arbeitslosigkeit oder Rente, ob als kleiner Hinzuverdienst oder als langfristiger Aufbau der eigenen Existenz: Die Besucher erfahren, was im Nebenerwerb anders ist als im Haupterwerb, was sie bei Sozialversicherung und Steuern beachten müssen.

Christian Krüger von der Investitionsbank Berlin (IBB) sowie Ronald Freier von der IBB Business Team GmbH erklären die Finanzierungsinstrumente Mikrokredit und Gründungsbonus – und damit, wie Gründungsfinanzierung im Schatten großer Venture Capital-Runden funktionieren kann. Schließlich gibt es eine Menge innovativer Gründungsideen, für die Risikokapital unerreichbar erscheint. Die IBB unterstützt viele solcher Vorhaben.

Interaktiv geht es beim Workshop „Beschreibe dein Geschäftsmodell verständlich“ zu: Gregor Groß von der Alpha-Board GmbH und Matthias Patz von DB Systel geben eine Einführung in das Geschäftsmodell „Canvas“. Fragen sind ausdrücklich erwünscht, die Teilnehmer können in kleinen Gruppen auch gleich selbst erste Erfahrungen sammeln.

Ebenfalls sehr praxisnah ist der Workshop „Ideen entwickeln, die Kunden wirklich brauchen“ angelegt. Christin Herrmann von Userlutions übt ebenfalls in kleinen Gruppen von Interessierten, wie sie durch kurze Interviews mit potenziellen Kunden die Qualität ihres angedachten Geschäftsmodells abfragen und somit ehrliche Rückmeldungen bekommen können. Und: wie es danach weitergehen kann.

Neben sehr nutzwertorientierten Veranstaltungen gibt es auch solche, bei denen tolle Gründungsgeschichten erzählt werden. Nicht nur Keynote-Sprecher Thomas Ebner von Volucap gibt interessante Einblicke in die Herausforderungen und Erfolge der letzten Jahre. Am zweiten Messetag, am Samstag, wird Ann-Sophie Claus, Co-Gründerin und CEO des Start-ups The Female Company, ihre Gründungsstory erzählen. Das junge Berliner Unternehmen bietet Bio-Periodenprodukte an und durchbricht damit Tabus rund um den weiblichen Körper. Am 30. Oktober wird Claus darlegen, wie man mit radikaler Aufklärung FemHealth, also den Bereich weibliche Gesundheit, neu definieren und einen Markt erobern kann.

Katharina Kurz, Geschäftsführerin von BRLO, tritt zwar nicht als Keynote-Sprecherin auf. Ihre Erfolgsgeschichte ist dennoch hörenswert. Am Freitag erzählt sie, wie sie vor sieben Jahren von ihrem Australientrip mit der Idee zurückkam, eine Brauerei zu gründen. Sie schildert ihren mal leichteren, mal schwierigeren Weg hin zu nun fast 100 Mitarbeitern der angesagten Berliner Bierbrauerei.

„Start-up-Arena“ rückt Berlin und Brandenburg in den Fokus

Inspiration und spannende Einsichten gibt es auch an anderer Stelle, etwa beim „Talk mit erfolgreichen Gründern und Gründerinnen des Businessplan-Wettbewerbs Berlin-Brandenburg“. Speziell an Geflüchtete mit Gründungswillen richtet sich indes das Seminar „Gründen durch Migrantinnen und Migranten“ – unter anderem mit Tipps zu Fördermöglichkeiten.

Wie schon zuvor findet auch auf der diesjährigen deGUT das Speeddating in Kooperation mit dem Business Angels Club Berlin-Brandenburg e. V. (BACB) statt. Fünf ausgewählte Kandidaten stellen sowohl den Kapitalgeberinnen als auch den Messebesuchern in fünf Minuten ihr Geschäftskonzept vor. Die Besten werden an einem anschließenden Termin zur Weiterentwicklung ihres jeweiligen Vorhabens gecoacht.

Eine Neuerung der diesjährigen Messe für Gründer und Unternehmer ist eine Veranstaltung mit Fokus auf die hiesige Region: In der Start-up-Arena präsentieren sich junge Firmen aus Berlin und Brandenburg sowohl an den Ständen als auch in kurzen Pitches. Außerdem erfahren die interessierten Besucher, wie die Inkubatoren des Berliner Startup Stipendiums und der Wirtschaftsförderung des Landes Brandenburg angehende Gründer aktiv mit Finanzierung und Gründerwissen unterstützen.

Der Auftakt der Messe findet übrigens bereits am Vorabend, am Donnerstag, den 28. Oktober, statt. In der Bar jeder Vernunft in Wilmersdorf wird auch in diesem Jahr der KfW Award Gründen verliehen. Und das von einer prominenten Jury: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Ingrid Hengster, Mitglied des Vorstands der KfW, werden die 16 Landessieger sowie den Bundessieger auszeichnen. THERESIA BALDUS

Die deGUT 2021 im Überblick

Die diesjährige deGUT findet am Freitag, 29. und Samstag, 30. Oktober 2021 jeweils von 10.00 bis 18.00 Uhr statt.

Wo: Arena Berlin-Treptow
Eichenstr. 4, 12435 Berlin

Tickets gibt es ausschließlich online im Ticketshop der Messe: www.formdesk.com/pcma/deGUT-Ticketshop-2021. Die Zustellung der Tickets erfolgt digital per E-Mail.

Kosten: Tagesticket 15 Euro, Tagesticket ermäßigt 7,50 Euro plus jeweils zehn Prozent Vorverkaufsgebühr

Im Zuge der Registrierung müssen alle Personen zwecks Corona-Kontaktnachverfolgung auch ihre privaten Kontaktdaten (Telefonnummer, E-Mail-Adresse sowie Bezirk/Gemeinde) hinterlegen. Da der Zugang, ebenfalls coronabedingt, auf 2000 Personen pro Tag limitiert ist, steht nur ein begrenztes Ticket-Kontingent zur Verfügung. Ferner gibt es in diesem Jahr nur Ein-Tages-Tickets.

Weitere Corona-Regeln:
Zugang haben Geimpfte, Genesene und negativ Getestete. Der Test darf um 18.30 Uhr des Besuchstages nicht älter als 24 Stunden (Point-of-Care-Antigen-Test) beziehungsweise nicht älter als 48 Stunden (PCR-Test) sein.
Ausnahme: Kinder bis 6 Jahre sowie Schülerinnen und Schüler, die einer regelmäßigen Testung im Rahmen des Schulbesuchs unterliegen, benötigen keinen Nachweis über ihren 3G-Status, müssen aber ihren Schülerausweis vorlegen. Zudem gilt auf der Veranstaltung die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske.

Programm:
An beiden Messetagen gibt es ein Programm mit insgesamt mehr als 100 Seminaren, Workshops und weiteren Veranstaltungen.
Als Keynote-Speaker stehen in diesem Jahr Ann-Sophie Claus, Mitgründer von The Female Company (Samstag, 14 Uhr), sowie Thomas Ebner, CTO von Volucap (Freitag, 14 Uhr), auf der Bühne.
Neu ist in diesem Jahr die Start-up-Arena. Hier bekommen Start-ups aus Berlin und Brandenburg eine eigene Bühne. In dreiminütigen Pitches erzählen sie von ihren Gründungen. Außerdem gibt es einen Überblick über Fördermöglichkeiten.
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