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Kann das weg?

Gerade jetzt haben viele Menschen Zeit zum Ausmisten und Aufräumen. Ordnungsberaterin Nina Brach erklärt, wie es am besten klappt

Würde ich es noch mal kaufen? Solche Fragen helfen beim Ausmisten. FOTO: ILYALIREN / ISTOCK

Berliner Morgenpost: Frau Brach, der Frühling ist für viele ein guter Anlass, um auszumisten. Wie geht man dabei am besten vor?

Nina Brach: Ausmisten ist die Grundvoraussetzung für mehr Ordnung. Denn die Gleichung ist ganz einfach: Weniger Zeug gleich mehr Zeit, mehr Raum, mehr Energie. Am besten nimmt man sich Bereich für Bereich vor, um sich nicht zu überfordern. Lieber kleine Abschnitte und die tatsächlich erledigen, als sich zu viel vornehmen und frustriert aufzugeben. Vor dem Ausmisten sollte man vier Tüten oder Boxen bereitstellen und sie mit „Spenden“, „Verkaufen“, „Wegwerfen“ und „Reparieren“ beschriften. Beim Ausmisten kann folgender Trick helfen: Jedes Teil auf einer Skala von 0 bis 10 einordnen. Wenn es mindestens eine 7 erhält, darf es bleiben. Meine Lieblingsfrage ist außerdem: Würde ich es noch mal kaufen? Und wichtig: Schon vor der Ausmistaktion Zeit zum Wegbringen der aussortierten Dinge einplanen! Die Sachen sollten innerhalb der nächsten 48 bis 72 Stunden die Wohnung verlassen. Sonst steigt die Wahrscheinlichkeit auf einen Daueraufenthaltsplatz im Flur. Oder die Sachen wandern sogar wieder zurück in die Schränke...
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Wie lässt sich mehr Struktur in den eigenen vier Wänden schaffen?

Der erste Schritt: Dinge reduzieren und nach Kategorien zusammenfassen. Nicht überall alles verteilt haben, sondern klare Bereiche zuweisen. Und überlegen, wer, was, wann, wo braucht, um einen möglichst reibungslosen Alltag zu schaffen.
Nina Brach, Ordnungsberaterin FOTO: NINA BRACH
Nina Brach, Ordnungsberaterin FOTO: NINA BRACH
Wie unterstützen Sie als Aufräumcoach Ihre Kunden?

Ich arbeite mit meinen Kunden vor Ort oder auch online in Einzelcoachings oder in einem Onlinekurs. Dabei schöpfe ich viel aus meinem Hintergrund als systemischer Coach und setze auf einen sehr individuellen Ansatz für jeden meiner Kunden. Selbstverständlich gebe ich auch konkrete Anregungen und mache Vorschläge, wie eine Chaosecke in den Griff zu bekommen ist. Aber es muss meiner Meinung nach vor allem an der inneren Einstellung gearbeitet werden – sonst ist das Ordnungsglück einfach von sehr kurzer Dauer. Denn wenn sich die Gewohnheiten nicht ändern, die zum Chaos führen, kommt es einfach immer wieder. Meine Überzeugung ist, dass sich langfristiger (Ordnungs-) Erfolg nur einstellen kann, wenn man eine für sich ganz persönlich funktionierende Lösung gefunden hat. Die sieht eben für jeden ein wenig anders aus und auch der Weg dorthin ist sehr individuell. Das herauszukitzeln, macht mir sehr viel Spaß.

In welchen Situationen wenden sich Menschen an Sie?

Das ist ganz unterschiedlich. Aber die meisten meiner Kunden haben gemeinsam, dass sie zu viel Zeug und zu wenig Zeit haben. Der Alltag ist trubelig und voll. Wir arbeiten dann gemeinsam daran, ihn durch funktionierende Ordnungssysteme zu vereinfachen. Die Wohnung ist so ein wichtiger Rückzugsort, der Raum für Entspannung bieten sollte – und nicht Anlass zu täglichem Ärger über Chaos.

Was hindert Menschen daran, Ordnung zu halten?

Meistens ist es einfach das Leben, das dazwischenkommt … Wenn dann eine Grundordnung fehlt und zu viel Zeug da ist, ist es quasi unmöglich, effektiv Ordnung zu halten.

Wie beugt man nach dem Aufräumen einem erneuten Chaos vor?

Viele Menschen verbringen viel Zeit damit, ihre Sachen zu suchen, anstatt die Zeit zum Wegräumen zu verwenden und so letztendlich Zeit und Nerven zu sparen. Um das tun zu können, sind allerdings zwei Faktoren maßgeblich: weniger Zeug und feste Plätze für die Sachen. Es muss also erst einmal eine funktionierende Grundordnung her. Dann ist es auch im Alltag viel einfacher, Ordnung zu halten, beziehungsweise schnell wiederherzustellen.

Wie und wo wird man Aussortiertes am besten los?

Ich bin eine große Freundin von Spenden. Damit tut man anderen Menschen Gutes, die Sachen werden nicht achtlos weggeworfen und man ist sie schnell los. Voraussetzung ist natürlich, dass die Dinge vollkommen in Ordnung sind und die Spendenannahmestellen auch Kapazitäten dafür haben. Unbedingt vorher kurz anrufen und fragen! Geeignete Stellen in der Nähe lassen sich meist leicht mit einer kurzen Internetrecherche herausfinden. Verkaufen ist eine andere Variante. Vom klassischen Flohmarkt über diverse Online-Plattformen kann man aussortierte Sachen verkaufen. Allerdings muss man sich hier im Klaren darüber sein, dass man meist den Anschaffungswert bei Weitem nicht wieder erzielt und es vor allem auch Zeit kostet. Judith Jenner

Hilfe im Netz

Mehr Informationen über Nina Brach gibt es unter www.bitte-aufräumen.de

Eine Übersicht über gemeinnützige Organisationen, die Spenden entgegen nehmen, bietet die BSR:
www.bsr.de/spenden-stattwegwerfen-21204.php
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