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Wohnen & Gestalten

Wohnzimmer im Freien

Die Trennung zwischen Innen- und Außenbereich weicht auf. Denn innovative Materialien sorgen auch unter freiem Himmel für gemütlichen Komfort

Balkons verwandeln sich jetzt in wohnliche Freiluftzimmer. Abends spenden smarte Sonnenschirme stimmungsvolle LED-Beleuchtung. FOTOS: ALEKSANDAR NAKIC, VENAKR / ISTOCK

Die Tage sind wieder länger und das Leben verschiebt sich wieder mehr in Richtung Balkon und Terrasse. Waren diese Freiluftbereiche früher eher praktisch mit wetterresistenten Möbeln eingerichtet, die lediglich durch rutschende Auflagen etwas Bequemlichkeit versprühten, entwickeln sie sich in den vergangenen Jahren immer mehr zu erweiterten Wohnzimmern. Und das mit allem, was dazu gehört – vom Sofa über Teppiche und Vorhänge bis hin zur Beleuchtung und smarten Sonnenschirmen.

Möglich werden diese neuen Lösungen nicht nur durch geschäftstüchtige Möbelfirmen und findige Designer, sondern vor allem durch Materialinnovationen. Die neuen Materialien zeichnen sich dadurch aus, dass sie biegsam sind, sich in allerlei Formen bringen lassen und zugleich Wind und Wetter trotzen.
Wohnzimmer im Freien Image 1
Ein Beispiel dafür ist die Dedon-Faser, erfunden vom gleichnamigen Unternehmen, das daraus Sonnenliegen, Sofas, Tische, Leuchten, Lounge-Inseln und -Schaukeln für die Nutzung im Freien herstellt. Bei der Herstellung der Möbel trifft Hightech auf Handwerk: Die in Deutschland entwickelte, recycelbare und ungiftige Faser trotzt Sonne, Chlor und Meerwasser und ist extrem flexibel. Verarbeitet wird sie von erfahrenen Flechtern auf der philippinischen Insel Cebu. Die Polsterauflagen sind aus Acrylmaterialien, fühlen sich aber trotzdem weich an und sind resistent gegen Spritzwasser.

Um nackten Füßen zu schmeicheln und das Wohnzimmergefühl auch draußen zu spüren, sind Outdoor-Teppiche genau das Richtige. Sie kaschieren gegebenenfalls einen unansehnlichen Balkon- oder Terrassenboden und können mit leuchtenden Farben Akzente setzen. Die Gründer der Firma Rug.it lernten Outdoor-Teppiche auf der afrikanischen Insel Sansibar kennen und importierten die Idee nach Europa. Sie nutzen für die Produktion ein Recyclingmaterial aus PET-Flaschen in herrlich bunten Mustern, die sich auch für Innenräume eignen, beispielsweise für Allergiker. Auch alteingesessene Teppich-Produzenten wie Jab Anstoetz nutzen derartige Materialien für ihre Outdoor-Kollektionen.

Edle Outdoorsofas haben nichts mehr mit Gartenmöbeln gemeinsam. Hier das Beispiel „Orlando“ des Herstellers Bolia. FOTO: BOLIA
Edle Outdoorsofas haben nichts mehr mit Gartenmöbeln gemeinsam. Hier das Beispiel „Orlando“ des Herstellers Bolia. FOTO: BOLIA
Wer auf sein Lieblingssofa im Freien nicht verzichten möchte, kann es bei einigen Herstellern auch in einer Outdoor-Variante kaufen. Das dänische Möbelhaus Bolia beispielsweise bringt seinen modularen Sofa-Klassiker „Orlando“ in dieser Saison als Outdoor-Variante heraus. Der Rahmen aus Aluminium verhindert Korrosion. Der weiche Pantera-Schaumstoff sowie ein speziell für den Einsatz im Außenbereich entwickeltes Gewebe machen das Sofa wasserdicht, es trocknet innerhalb weniger Stunden.

Wer das lästige Schieben oder Kurbeln beim Aufklappen von Sonnenschirmen leid ist, kann bei einer neuen Generation von Sonnenschirmen auf smarte Unterstützung setzen. Das Unternehmen Tuuci aus Miami zum Beispiel hat seinen Sonnenschirm „Max cantilever“ nicht nur mit LED-Leuchten ausgestattet, sondern auch mit einem motorisierten Öffnungs- und Schließsystem. Der vielseitige Schattenspender lässt sich ganz einfach per Smartphone-App oder über einen Touch-Mechanismus steuern. In den Abendstunden sorgt er für eine stimmungsvolle Beleuchtung.

Designermöbel in neuer Outdoor-Variant
 
Wohnflair im Freien: Rug.it fertigt wetterfeste Teppiche aus PET-Flaschen. FOTO: RUG IT
Wohnflair im Freien: Rug.it fertigt wetterfeste Teppiche aus PET-Flaschen. FOTO: RUG IT
Zu einer stimmungsvollen Beleuchtung an lauen Sommerabenden trägt auch das wachsende Sortiment an Outdoor-Leuchten bei. Zum Teil werden Klassiker für den Außenbereich adaptiert, zum Beispiel bei Joan Gasperts Stehleuchte „TXL“ für Marset. Sie hat in der Gartenvariante einen stabilen Fuß aus Gusseisen und einen Schirm aus wetterfesten Kunsttextilbändern.

Auf Sonnenenergie setzt die Pendelleuchte „Sunlight“ mit einem Schirm aus stabilem Frostglas von Eva Solo. Die Solarzellen sind unsichtbar in das Design integriert. Die Leuchte kann über einen Ein- und Ausschalter geregelt werden oder schaltet sich über eine Automatikfunktion bei Dunkelheit von selbst ein. Nach einem klaren Sonnentag spendet sie bis zu 20 Stunden lang Licht. Sowohl für innen als auch für außen eignet sich die Wandleuchte „Sestante“ von Modoluce aus Stahl und Aluminium. Ihr Teleskoparm lässt sich ausfahren und verändert damit die Lichtstimmung.

Praktisch ist auch die neue Generation der „To-Go-Leuchten“ von Firmen wie Marset oder Koziol: Sie lassen sich zum Beispiel per USB-Anschluss aufladen und unabhängig von einer Stromquelle mit ins Freie nehmen. Vor dem nächsten Regenschauer sollten sie aber möglichst wieder im Haus sein. Judith Jenner
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