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Themenwelten Berliner Morgenpost
Wohnen & Gestalten

Die neuen Heimwerker

Selber machen? Die passenden Workshops vermitteln Profiwissen. Im Idealfall wird Wohnen dadurch nachhaltiger

In Berlin existiert eine bunte DIY-Landschaft – in Workshops kann jeder von den Profis lernen. Foto: The Makery

Da steht es, das Vintage-Möbelstück, das der Hingucker in der eigenen Wohnung werden könnte. Ein bisschen abgenutzt, aber das ließe sich aufarbeiten. Wenn man nur wüsste, wie. Das Zauberwort heißt DIY, „Do it yourself“, also „selber machen“. Berlin hat sich auf die Lust am Herstellen, Verbessern und Reparieren eingestellt. Es gibt Kurse und Workshops, die die Lust an der Arbeit mit den eigenen Händen Realität werden lassen, ohne dass man ein Profi sein muss.

Dieses Jahr eröffnete das dänischen Traditionsunternehmens Stoff & Stil seinen ersten Selfmade Store in der Hauptstadt, am Tempelhofer Ufer in Kreuzberg, ein Laden für besondere Stoffe und Nähutensilien mit einem Café zum kreativen Austausch und einer Galerie, in der regelmäßig Kreativworkshops und Ausstellungen stattfinden. „Die Menschen wollen sich kreativ ausleben, Neues ausprobieren“, erklärt der Stoff & Stil-Vorsitzende Alexander Lerche. Was das Heimwerken aus früheren Zeiten von der neuen Kreativlust unterscheidet: Statt alleine im Hobbykeller zu werkeln, treffen sich Gleichgesinnte in Workshops und produzieren individuelle Stücke mithilfe von Profis, die das entsprechende Know-how haben.
Heimtextilien lassen sich leicht selbst herstellen. Foto: Selfmade
Heimtextilien lassen sich leicht selbst herstellen. Foto: Selfmade
„Wir wollen auch die große kreative Szene in Berlin mit Menschen zusammenbringen, die Lust auf DIY haben“, so Lerche, für den das Selbermachen im medialen Zeitalter eine Gegenbewegung ist. Diese basiert auch auf der Haltung, nicht mehr wahllos zu konsumieren, sondern sich bewusst einem Objekt zu widmen, egal ob es sich um einen aufzuarbeitenden Tisch oder selbst geschneiderte Sofakissen handelt.

Eine digitale regionale Plattform mit einem handwerklichen Workshopangebot für Berlin sowie andere deutsche Städte ist The Makery. „Wir bündeln Angebote und bringen die Menschen zusammen“, sagt Gründer Jasper Kolb, der anfangs, Ende 2017, selber über die Möglichkeiten in Berlin überrascht war und inzwischen rund 250 Workshops und Kurse vermittelt – Tendenz steigend. „Man kann einfach reinschnuppern und so auch ungeahnte Interessen entdecken“, so Kolb. Pflanzen aus Papier, Bioplastik, japanische Flaschengärten, Mini-Terrarien, Bilderrahmen, Hocker aus altem Holz herzustellen, dies ist nur ein Ausschnitt aus dem Angebot von Wohnaccessoires. Darüber hinaus kann man lernen, wie man Zero-Waste-Spielzeug und Naturkosmetik herstellt oder Stempel schnitzt und Jurten baut. Preislich liegen die Workshops zwischen 15 Euro für die Herstellung von Origami-Schmuck und 450 Euro für die eines Lastenfahrrades, das Gros zwischen 40 und 60 Euro.

Trendaccessoire Topfpflanze: Man muss nur wissen, wie es geht. FOTO: LaXo72 / Getty Images
Trendaccessoire Topfpflanze: Man muss nur wissen, wie es geht. FOTO: LaXo72 / Getty Images
Man wird kaum etwas finden, für das es keine DIY-Möglichkeiten gibt. Bohren und Dübeln? Diese und andere Heimwerkerkurse findet man bei DIY Berlin – „Selbst ist der Berliner“. Urban Gardening, Goldschmieden, Parfüm selber herstellen? Unter Mydays.de findet man neben Freizeitaktivitäten in Berlin auch überregionale Angebote. Aber auch Baumärkte bieten Workshops für jedermann an: so etwa „Tapezieren und Streichen“ oder für begeisterte Handwerkerinnen „Selbst ist die Frau“-Kurse, wie „Kleinreparaturen im Haushalt“ oder „Bohren, Dübeln und Befestigen“. Gerade letzterer ist eine gute Grundlage, um zu reparieren statt wegzuwerfen und damit zum DIY-Zeitgeist, der Nachhaltigkeit und Schonung von Ressourcen etwas beizutragen. Manuela Blisse

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