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Themenwelten Berliner Morgenpost
Wohnen & Gestalten

Vom Essplatz zum Treffpunkt

Mit wenigen Handgriffen sind Tische heute nahezu beliebig ausziehbar. Mit den passenden Stühlen lässt sich gut tafeln

Lädt zu gemütlichen Runden ein: der COR Delta Table FOTOS: COR (4)

Eine eckige oder runde Platte, vier Beine, zuweilen auch nur eines, fertig ist ein Tisch. So einfach dieses Möbel konzipiert ist, so grandios ist seine Bestimmung. Ein Tisch ist nicht einfach nur ein Platz, an dem man Nahrung zu sich nimmt. Er ist der Mittelpunkt im Familienleben, Treffpunkt mit Freunden, ein kultureller wie sozialer Ort, an dem Menschen Gemeinschaft leben. Während des Lockdowns war der Tisch Zeichen des Zusammenhalts, anfangs nur im ganz kleinen Kreis, später in erweiterter Runde. Jetzt hat der Herbst angefangen und damit rückt das Leben naturgemäß nach innen.

Zusammen mit dem Trend der Wohnküchen bleibt der Tisch damit also im Mittelpunkt – und das hat schon vor Corona begonnen. „Durch die Verlagerung des Wohnmittelpunktes an den Esstisch hat sich in den letzten Jahren auch im Design viel getan“, weiß Nils Cramer, Geschäftsführer der Cramer Gruppe, Partner des im Mai eröffneten ersten Cor Studios in der City-West, „daher geht der Trend eindeutig zur großen Tafel. Wenn der Platz nicht ausreicht, ist der Tisch aber zumindest erweiterbar.“
Nicht nur auf wandelbare Tische kommt es an, sondern auch auf ein passendes Beleuchtungskonzept. Foto: VDM
Nicht nur auf wandelbare Tische kommt es an, sondern auch auf ein passendes Beleuchtungskonzept. Foto: VDM
Wer stilvoll tafeln will, braucht Platz

Ein Tisch braucht Fläche im Raum und jede Person am Tisch ebenfalls. „Um am Esstisch genügend Platz zu finden, sollte jede Person 40 Zentimeter in der Tiefe und 60 in der Breite zur Verfügung haben. Für einen Esstisch für vier Personen ergibt sich damit eine Größe von mindestens 120 mal 80 Zentimeter. Berücksichtigt man noch den nötigen Platz für Schüsseln, Deko und Co., kommen weitere rund 20 Zentimeter hinzu, womit sich eine Tiefe von einem Meter ergibt. Soll besonders komfortabel gesessen werden, empfiehlt sich eine Tischlänge von 140 bis 160 Zentimetern“, rechnet Christine Scharrenbroch, Sprecherin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM) vor.

Beinfreiheit: Durch die auffällige Mittelsäule können Gäste an dem Tisch von Conic gut sitzen. (Stühle von Roc).
Beinfreiheit: Durch die auffällige Mittelsäule können Gäste an dem Tisch von Conic gut sitzen. (Stühle von Roc).
„Wer ausreichend Platz hat, stellt auch gerne einen großen Tisch mit einer dicken, möglichst naturbelassenen Holzplatte, nicht selten mit einer ebensolchen Baumkante, auf. In der Kombination mit modernen Stühlen entstehen so spannende und oft sehr attraktive Esszimmer“, so richtet Nils Cramer vor seinem geistigen Auge den kommunikativen Essbereich ein. Die Natur ist eine reiche Inspirationsquelle. „Organisches Design ganz ohne harte Kanten – für ein Hygge-Gefühl im Zuhause“, beschreibt Vincent Veltjens, Store Manager BoConcept in der Friedrichstraße, eine Esstisch- und Stuhlserie mit „nur drei mühelosen Bewegungen“, um eine verborgene Zusatztischplatte hinauszuziehen.

Bei Tischen geht es also fast immer auch um Platz. Kein Wunder. Die Durchschnittswohnung in Deutschland ist knapp 92 Quadratmeter groß, XL-Esszimmer oder -Wohnküchen sind daher meist mehr Wunschtraum denn Realität. Die Möbelindustrie ist darauf jedoch eingestellt und wie es Cramer schon angesprochen hat, geht der Trend zum flexiblen Esstisch. „Es gibt Tischplatten zum Ausziehen, zum Einlegen oder Anstecken“, zeigt Carsten Kusian vom Einrichtungshaus Kusian in Reinickendorf praktikable Lösungen auf. „Ausziehtisch“ war lange ein negativ besetzter Begriff. Tolle Funktion, angestrengtes Aussehen. Diese Zeiten sind vorbei und es können enorme Distanzen erreicht werden. „Die moderne Beschlagstechnik ermöglicht es, optisch extrem schlanke Tische zu produzieren, die sich fast verdoppeln lassen, ohne dass man ihnen diese Funktion ansieht“, beschreibt Nils Cramer.

Lädt zu langen Sitzungen ein: Bank von COR, Tisch von Conic und Stühle von Cordia.
Lädt zu langen Sitzungen ein: Bank von COR, Tisch von Conic und Stühle von Cordia.
Neben dem Klassiker Holz, wie auch Granit, erobert mit Porzellankeramik ein Hightech-Material aus der Luft- und Raumfahrttechnik dieses Möbelsegment. „Porzellankeramik ist abriebfest und kratzunempfindlich“, erklärt Carsten Kusian, der das vor über 50 Jahren von seinen Eltern eröffnete Möbelgeschäft in der zweiten Generation leitet. Ähnlich wie Keramik produziert, ist es ebenfalls ein Naturprodukt. Ein Trend, den er bei seinen Kunden beobachtet und für den er die entsprechenden Anbieter an der Hand hat, sei, so Kusian, der zu zentimetergenau angefertigten Tischen. Damit könne das Optimum für die eigenen vier Wände und den eigenen Bedarf herausgekitzelt werden.

Gemeinsames Essen hat eine lange Tradition

Zusammen zu essen, war nicht von Anbeginn der Menschheitsgeschichte der Fall. Erst sammelten unsere Vorfahren, die Menschenaffen, Nahrung, um sie sofort und an Ort und Stelle zu verzehren. Dann jedoch suchten sie nach Nahrung, um sie erst später zu essen und in der Gruppe. Das Zusammenkommen zu den Mahlzeiten war also ein wichtiger Schritt in der Evolution. Bis heute hat der Essensplatz – in unserer Kultur der Tisch, bei den alten Römern wurde lieber herumgelegen – damit eine besondere Bedeutung. Dieser Kommunikationsort taucht immer auch in Filmen und TV-Serien auf, in Seifenopern als Esstisch in einer WG.

Die gepolsterten Alvo chairs von COR sind mit Armlehnen vrsehen und daher besonders bequem.
Die gepolsterten Alvo chairs von COR sind mit Armlehnen vrsehen und daher besonders bequem.
Kein Tisch ohne Stühle! Und auch hier sind Sitzmöbel nicht gleich Sitzmöbel, wenn sie auch gleichen Trends, wie weiterhin gedeckten, dunklen Farben, aber auch in Weiß und einer Materialvorliebe für Leder und Alcantara, folgen. „Bei Stühlen steht neben einer ansprechenden Optik in jedem Falle eine lange Verweildauer im Vordergrund. Ist ein Stuhl nicht für längere Abende oder Familienwochenenden geeignet, hat er quasi keine Chance“, weiß Nils Cramer. Zu bequemen Sitzmöbeln gehören etwa Esssessel und gepolsterte Kunststoffschalen-Stühle. „Stühle mit Armlehnen machen sich, falls sie sehr breit sind, auch gut separat an den Stirnseiten. Drehstühle brauchen meistens zu viel Platz, besser Freischwinger oder hochwertige Stühle mit vier Beinen“, ergänzt Carsten Kusian, der noch einen Tipp auf Lager hat: Menschen sind verschieden groß, daher sollte man verschiedene Sitzhöhen – Männer im Schnitt 50, Frauen 48 Zentimeter Höhe – am Tisch vereinen. Das wirke zwar ungewohnt, aber, so der Experte, käme es schließlich aufs bequeme Sitzen an. Manuela Blisse
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