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Themenwelten Berliner Morgenpost
Zukunft gestalten

Mein Haus, mein Auto, mein Erlebnis

Wer Erfolg hat, der zeigt es auch. Angeblich haben die klassische Statussymbole wie Markenkleidung, Villa und Limousine ausgedient. Wirklich? Nicht ganz. Aber es werden neue Statussymbole dazu kommen. Das sind sie.

Das Foto vom Naturerlebnis auf Instagram ist ein Statussymbol. Dafür nimmt man Schlangestehen an der norwegischen Trolltunga in Kauf. FOTO: JAN-OTTO / ISTOCK

Max Müller  

Kleider machen Leute, heißt es. Teure Autos, Uhren und Handtaschen betonen überall auf der Welt den feinen Unterschied. Dabei variiert in der Hauptstadt von Viertel zu Viertel die Art, wie der soziale Status inszeniert wird: Der Ku’damm ist bekannt für Flaneure in luxuriösen Limousinen, in Prenzlauer Berg dagegen kutschieren Familien ihren Nachwuchs in teuren Marken-Buggys über das Kopfsteinpflaster, und in Friedrichshain kommt statt „Billigfleisch“ nur veganes und regionales Bio-Essen auf den Tisch.

Das mag nun ein wenig klischeehaft klingen, zeigt im Kern aber bereits Eines: Universelle Statussymbole wie „mein Haus“, „mein Auto“ und „mein Boot“ genießen längst nicht mehr in allen Bevölkerungsschichten hohes Ansehen. „Die neuen Statussymbole sind differenzierter, subtiler und kleinteiliger denn je“, schreibt Lena Papasabbas in ihrem 2016 veröffentlichten Beitrag „Friedhof der Statussymbole“ für das Zukunftsinstitut, das seit 1998 die Trend- und Zukunftsforschung in Deutschland prägt.

„Ich wage die These, dass Werte in der Zukunft für viele Menschen wichtiger sind als etwa Marken“

Tristan Horx, Zukunftsforscher

Freizeit ist der Luxus von heute – und Morgen?

Längst verbreitet ist demnach das Konzept „Stealth Luxury“, zu Deutsch etwa: Tarnkappenluxus. Dessen Wert können nur Insider (ein-)schätzen. Ein anderer Trend betrifft den in den Medien immer wichtiger werdenden Aspekt des umweltverträglichen und ökologisch nachhaltigen Lebens. Auch die Do-it-yourself-Kultur ist auf dem Vormarsch, ebenso wie die Einstellung, der Freizeit einen höheren Stellenwert zu zusprechen als Arbeit und Karriere. Soweit zu den gegenwärtigen Trends. Doch wie sehen nun die Statussymbole der Zukunft aus?

„Wer die Zukunft prognostizieren möchte, muss zunächst die Gegenwart richtig analysieren. Deshalb verstehen wir uns sowohl als Trend- als auch als Zukunftsforscher“, sagt Tristan Horx vom Zukunftsinstitut. „Unser Metier hat nichts mit Wahrsagerei zu tun. Deshalb würden wir auch nie über konkrete Momente und Daten sprechen, bei denen dieses oder jenes Phänomen beobachtet werden kann. Stattdessen forschen wir über Entwicklungen, die eine Halbwertszeit von 30 bis 60 Jahren haben, basierend auf dem Wissen, das wir jetzt sammeln.“
Zeit für die Familie entwickelt sich an Stelle von teuren Dingen zum gefragten Statussymbol. FOTO: GRAPEIMAGES / ISTOCK
Zeit für die Familie entwickelt sich an Stelle von teuren Dingen zum gefragten Statussymbol. FOTO: GRAPEIMAGES / ISTOCK
Beim Thema Statussymbole helfe zunächst ein Blick in die Vergangenheit. „Statussymbole haben immer in Zeiten der Knappheit eine besondere Bedeutung“, sagt Horx. Als Beispiel führt Horx die Entwicklung und Verbreitung von Autos nach dem Zweiten Weltkrieg an, die einerseits den sozialen Rang unterstrichen, andererseits die individuelle Mobilität und die damit einhergehende Freiheiten betonten – und das bis heute tun. „Die Generation Y war die erste, die ‚dicke‘ Autos als peinlich wahrgenommen hat“, so Horx. „Stattdessen sieht diese Generation im Sammeln von außergewöhnlichen Momenten einen besonderen Status.“ Auf sozialen Plattformen wie Instagram würden Reiseimpressionen festgehalten, Zeit und Entdeckerlust zählten für diese zwischen den frühen achtziger- und späten neunziger Jahren Geborenen sehr viel. Dagegen gewänne Besitz für die nachfolgende Generation Z wieder an Stellenwert. „Das liegt unter anderem daran, dass diese Generation in eine Phase hineingeboren wurde, in der es keinen großen wirtschaftlichen Aufschwung gab.“

Diese gegensätzlichen Entwicklungen bewegen sich in Kurven. Die Zukunftsforscher sprechen von Trends und Gegentrends, die bisweilen auch parallel stattfinden und zudem von den jeweiligen lokalen Gegebenheiten abhängig sind. „In der Stadt und auf dem Land werden Statussymbole anders wahrgenommen“, sagt Horx.

Der haptische Besitz verliert an Wert

Dennoch glaubt Horx, dass das Haptische, also materieller Besitz, beim Gros der Deutschen perspektivisch unbedeutender wird. „Ich wage die These, dass Werte in der Zukunft für viele Menschen wichtiger sind als etwa Marken“, sagt der Experte. So könnte der bereits gegenwärtig wahrnehmbare Trend des ökologischen Bewusstseins immer weiter vorangetrieben und zur Maxime des Lebens werden. Spannend dürfte zudem auch die fortschreitende Digitalisierung sein. „Wir sprechen von Statussymbolen in der virtuellen Welt“, so Horx. „Wie diese aussehen könnten, ist aber derzeit noch nicht ersichtlich.“ Die Zukunft liegt eben doch im Verborgenen.
   
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